Stell dir vor, es ertönen Signale, und kein Volk hört hin! Eine Woche lang versammelte sich der sozialistische Nachwuchs aus mehr als hundert Ländern in den Bonner Rheinauen, um die "Kraft der Solidarität" zu demonstrieren und zu feiern. Mit 3000 Teilnehmern rechneten die Veranstalter, es kamen fast 5000.

Das sind zwar etwas weniger als die 750 000 Jugendlichen, die sich zur Berliner Love-Parade trafen, aber ausreichend viele, um Rudolf Scharping ein "Signal" ausrufen zu lassen: Das Jugendfestival, schwärmte der SPD-Fraktionschef auf einer Pressekonferenz, künde vom "weltweiten Wachsen der Sozialdemokratie".

Gefragt, wo denn die Bewegung überall anschwelle, spannte Scharping einen kühnen Bogen von den "erfolgreichen Sozialdemokraten Osteuropas" bis hin zu Bill Clinton.

Das wäre in der Tat ein breites Bündnis: Deutschlands Sozialdemokraten Seit' an Seit' mit Polens Postkommunisten und Amerikas wirtschaftsliberalen Demokraten. Nähme man noch die Reformkommunisten in Vietnam und China hinzu, käme wohl keiner mehr umhin, von einer sozialdemokratischen Welt zu sprechen.

Der letzte Tag des Jugendtreffs gehörte Oskar Lafontaine. Morgens ein Workshop, mittags eine Diskussion, abends eine Rede im Rosa-Luxemburg-Zelt.

Das Zeitalter der Globalisierung, mahnte der SPD-Chef, erzwinge nicht den Standortwettbewerb der Nationen, sondern die internationale Zusammenarbeit. Er jedenfalls könne "keinen überzeugenden Grund erkennen", warum die soziale Marktwirtschaft "nicht auf die globalisierten Märkte übertragbar sein sollte".