Der Weg ins Allerheiligste, sein Arbeitszimmer, führt vorbei an Stahltüren, die nur mit Codenummern zu öffnen sind. Dahinter lagern die Schätze: Neben einem Dubuffet und Dutzenden von Beispielen der zweiten Garnitur lehnt ein Picasso an der Wand. Rund 10 000 Gemälde verkauft der Kunstauktionator Guy Loudmer im Jahr.

Der Chef des Hauses braucht kein großes Büro - ein Schreibtisch, ein Charles Eames Lounge Chair und zwei bequeme Ledersessel für Besucher, das reicht. In der Welt der Kunst, auch bei Sotheby's und Christie's, der Konkurrenz, gilt Loudmer als "ein sehr netter Mann". Er selbst deutet auf seinen maßgeschneiderten dunkelblauen Anzug aus Turin und teilt ungefragt mit: "Acht Jahre alt. Neue Kleidung mag ich nicht. Ich mag Sachen, in denen ich gelebt habe."

Dazu schickt er einen forschenden Blick durch die Stahlrandbrille: Botschaft angekommen?

Zwischen Tokio und New York kennt jeder, der mit Kunst zu tun hat, seinen weißen Haarschopf. Ohne Reisen geht es nicht, und wenn es eben sein muß, taucht er auch bei Versteigerungen von Kollegen in Marburg oder Bern auf. "Dort teste ich die Atmosphäre, sehe, wie alles läuft, und treffe Kunden."

Sotheby's und Christie's, inzwischen weltweit mit Kunst handelnde Unternehmen, deren Aktien an der Börse gehandelt werden, haben jeder etwa siebzig internationale Kontaktbüros. Loudmer hat keins.