DRESDEN. - "Vielleicht steckt ja sogar die Stasi dahinter!" Siegmar Faust, dem sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, ist keine Theorie zu abwegig. Der Schriftsteller, der in der DDR "wegen staatsfeindlicher Hetze" in Haft saß und 1976 von der Bundesrepublik freigekauft wurde, sieht sich als Opfer einer "üblen Kampagne". "Politische Motive" vermutet er dahinter - oder eben den DDR-Geheimdienst. Nur eigene Fehler will er nicht einräumen.

Gut einen Monat nach seinem Amtsantritt ist Faust von einer alten Geschichte eingeholt worden. 1991 hatte er sich für eine ehemalige KZ-Aufseherin eingesetzt. Faust war damals Mitarbeiter der Ostberliner Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus. Dort lernte er die heute 75jährige Margot Pietzner kennen. Sie war 1946 von der sowjetischen Armee bei Wittenberg als Aufseherin eines Nebenlagers des KZ Ravensbrück verhaftet, zu 25 Jahren Haft verurteilt und 1956 begnadigt worden. Faust vermittelte ihr über den damaligen Justizminister Klaus Kinkel einen Rechtsanwalt. Margot Pietzner wurde schließlich als Opfer des Stalinismus anerkannt und erhielt 64 350 Mark als Entschädigung. 7000 Mark davon schenkte sie Siegmar Faust - für jemanden, der nur eine ABM-Stelle hat, viel Geld.

Kritik an der Entschädigung und Fausts Rolle dabei wurde schon damals laut. In der Berliner Gedenkbibliothek - Bärbel Bohley zählte zu den Gründern - kam es zum Eklat. Faust wurde vom Berliner Stasi-Beauftragten, wo er inzwischen eine Anstellung gefunden hatte, entlassen.

Vor kurzem nun ist Margot Pietzners Anerkennung als politischer Häftling überraschend zurückgenommen worden. Es hätten sich "für uns neue Informationen ergeben", lautet die Begründung des Bundesinnenministeriums.

Offenbar habe Frau Pietzner als KZ-Aufseherin doch "Verstöße gegen die Menschlichkeit" begangen.

Seitdem steht Siegmar Faust wieder unter Beschuß. Doch daran, daß er einer ehemaligen KZ-Aufseherin einen Anwalt besorgt hat, der ohne Honorar tätig wurde, will er nichts Schlimmes finden.

"Das würde ich jederzeit wieder tun." Jeder habe ein Recht darauf.