Eigentlich wollte er jede Unruhe vermeiden. Franz Fischler, österreichischer EU-Agrarkommissar, hatte den versammelten Ministern in der vergangenen Woche berichtet, die Rinderseuche BSE sei - so das Ergebnis neuer Laborstudien - auch auf Schafe übertragbar. Fischler schlug vor, die Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Rindfleisch nun auch auf Schafe auszuweiten. Die spanische Agarministerin Loyola de Palacio und ihr portugiesischer Kollege Gomes de Silva reagierten prompt und heftig: Fischlers Reaktion sei überstürzt. Seinen Verallgemeinerungen fehle jede Basis. Auch der Ire Ivan Yates mahnte, es sei unfair, wenn die Schafzüchter nun dasselbe Schicksal erlitten wie die Rindfleischproduzenten. So steht der bedächtige Fischler nun erneut im Kreuzfeuer der Kritik, diesmal von seiten der Staaten, die Schafsfleisch exportieren. Wer schlechte Nachrichten überbringt, wird - eine alte Erfahrung - selten gelobt.

Anlaß der neuerlichen Aufregung ist eine Studie britischer Forscher am Institut für Tiergesundheit in Edinburgh. Die Briten infizierten zwei Gruppen aus jeweils sechs Schafen mit dem Hirn BSE-befallener Rinder. In der ersten Gruppe, der das Material direkt ins Gehirn injiziert worden war, erkrankten fünf der sechs Tiere. In der zweiten Gruppe wurde eines der Schafe nach der Verfütterung von infektiösem Material krank. Doch noch war nicht eindeutig geklärt, ob die Schafe tatsächlich an BSE erkrankt waren. Anhand des Krankheitsbildes und der Gewebeproben läßt sich der BSE-Befall nicht von den Varianten der Schafskrankheit Scrapie unterscheiden. Erst als die Forscher Mäuse mit Rinder-BSE, Scrapie und der im Versuch entdeckten Variante infizierten, konnten sie anhand der unterschiedlichen Zeiträume bis zum Ausbruch der Krankheit und des Verteilungsmusters der Schäden im Mäusegehirn ihren Verdacht erhärten: Die Schafe hatten nicht unter Scrapie gelitten, sondern waren tatsächlich BSE-infiziert.

Frankreichs Regierung reagierte umgehend auf die Ergebnisse, die schon Anfang Juni veröffentlicht worden waren. Seit dem 18. Juni steht Scrapie dort erstmals auf der Liste der meldepflichtigen Krankheiten. Das Fleisch befallener Schafe darf nicht mehr in den Handel gelangen. Die Franzosen befürchten, der BSE-Erreger könne über das Schaf nun auch den Menschen infizieren.

Die Aufregung in Paris hat ihren Grund. Nachdem die Briten schon am 18. Juli 1988 die Verfütterung von Tierkörpermehl im eigenen Land verboten hatten, exportierten sie es zunehmend. Waren es 1988 noch 20 000 Tonnen gewesen, die das Land vor allem in Richtung Frankreich verließen, so lag die Zahl im Folgejahr schon bei 45 000 Tonnen. Erst am 3. August 1989 stoppten die Franzosen die Einfuhr. Die britischen Exporte aber gingen ungehindert weiter, Kunden außerhalb der EU kauften begierig das zu Dumpingpreisen angebotene Futter.

Noch im vergangenen Monat verteidigte das britische Landwirtschaftsministerium seine Exportpolitik. Die Ausfuhren seien legal gewesen, schließlich habe man nur die Fütterung an Rinder untersagt. Der Tiermehleinsatz im Schweine- und Geflügelstall sei dagegen noch bis September 1990 erlaubt gewesen. Entsprechende Hinweise auf den Futtersäcken aber hatten die Exporteure wohl schlicht vergessen.

Drohen dem Verbraucher nun neue Gefahren? Steht ein weiteres Tier auf dem Index? Landwirtschaftsminister Jochen Borchert winkt ab.