Trotz der Katastrophen: Das Flugzeug ist weltweit immer noch das sicherste Verkehrsmittel. Doch Gefahr droht: Weil der Weltluftverkehr stark wächst, können die nationalen Kontrollbehörden aus akuter Personalnot ihre Kontrollfunktion kaum noch ausreichend wahrnehmen.

Birgenair, Valujet und vor zwei Wochen TWA: Drei Flugzeugkatastrophen mit über 600 Toten innerhalb der vergangenen fünf Monate haben die Flugsicherheit in die Schlagzeilen gebracht. Doch trotz der tragischen Ereignisse ist das Fliegen in den letzten zwanzig Jahren sicherer geworden. Die Anzahl der Flüge und der in Dienst gestellten Passagierjets hat sich seit 1975 mehr als verdoppelt.

Dennoch erhöhte sich die Unfallrate und die Zahl der Todesopfer nicht.

Bevölkerten nach einer Untersuchung der Zeitschrift Reise und Preise 1975 weltweit noch 5191 Passagierjets den Luftraum, sind es heute mehr als 12 500 Düsenverkehrsflugzeuge. Kamen 1975 bei 27 Flugunfällen 722 Menschen ums Leben, gab es 1995 26 Zwischenfälle mit 583 Toten. In diesem Jahr starben bei acht Unglücken bisher weltweit 608 Menschen (siehe Graphik).

Wie sicher Flugzeuge sind, zeigen beispielsweise 44 Jahre Luftverkehr zwischen Europa und Nordamerika. Seit 1952 gab es auf der Nordatlantikroute erst vier Abstürze von Düsenverkehrsflugzeugen: 1961 fiel ein Jet bei einem Überführungsflug von Malta in die USA wegen Kerosinmangels vom Himmel. Zwei Flugzeuge wurden Opfer von Terroranschlägen, ein indischer Jumbo-Jet, den vor der irischen Westküste ein Bombe zerfetzte, und eine Boeing 747 der Pan Am über dem schottischen Städtchen Lockerbie. Und auch für die Katastrophe des TWA-Fluges 800, die 230 Menschenleben forderte, wird nach den letzten Ermittlungen eine Bombe als Absturzursache immer wahrscheinlicher. Nur vier Unfälle in vierzig Jahren zeigen angesichts der 300 bis 500 Flugzeuge, die heute tagtäglich den Atlantik überqueren, den hohen Sicherheitsstandard von Material, Technik und Personal.

Zu den Fluggesellschaften, die in den letzten zwanzig Jahren Millionen von Kilometern unfallfrei zurückgelegt haben, gehören British Airways, KLM, Qantas oder Singapore Airlines. Fünf und mehr schwere Zwischenfälle hatten beispielsweise Air China (14), Garuda Indonesia (12), Indian Airlines (11), Turkish Airlines und USAir (6) sowie China Airlines, Tarom und Air France (5). Beim Crash der Lufthansa 1993 in Warschau kamen zwei Menschen ums Leben.