Atlanta

Wenn es eine Bombe war", sagt George Terwilliger und legt Kraft in die Stimme, "und wenn dies ein Akt staatlich geförderten Terrorismus war, dann muß der Anschlag auf den Jet als Kriegshandlung angesehen werden." Für einen Augenblick hängen die Worte in der Luft. Ein kriegerischer Akt, ein Angriff auf die Vereinigten Staaten: Die Konsequenz ist zwingend.

Terwilliger, graue Haare, grauer Anzug und graue Miene, macht keine Umschweife: "Amerika ist immer in den Krieg gezogen, wenn seine Schlachtschiffe versenkt wurden." Und er kennt die Planspiele, die Reaktionsszenarien auf internationale Terroranschläge. In der Regierung des republikanischen Präsidenten George Bush war er stellvertretender Attorney General, der zweithöchste Ermittler und Ankläger des Landes, zuständig für die Terrorabwehr. Sollte sich der Verdacht erhärten, Iran, Libyen oder vielleicht der Sudan hätten sich beim Anschlage auf den Jumbo-Jet der Fluggesellschaft TWA mit der Flugnummer 800 mitschuldig gemacht, ob als Drahtzieher oder indem sie Unterschlupf gewährten, dann drohe ein Gegenschlag aus der Luft.

Aber ein Beamter einer abgewählten Regierung, zählt seine Stimme überhaupt noch? Nicht Terwilligers ehemaliges Amt verleiht seiner Warnung an die "Terrorstaaten" Gewicht. Frei von den Zwängen eines Staatsamtes spricht er mit Volkes Stimme. Und die Erfahrung in dem Staatsamt ermöglicht ihm die wirklichkeitsnahe Spekulation.

Rache liegt in der Luft. Zwei Desaster innerhalb einer Woche: Erst der Absturz von TWA 800 vor Long Island, dann der Bombenanschlag in der Olympiastadt Atlanta haben erneut das Gefühl der Amerikaner erschüttert, daheim vor dem Terrorismus sicher zu sein. Um so schriller ertönt jetzt der Ruf nach hartem Handeln gegen die Täter.

Auch Newt Gingrich macht keine Umschweife, was die Täter angeht: "Sie verdienen die Todesstrafe." Der Sprecher des Repräsentantenhauses weiß, daß die juristischen Weichen bereits in diesem Sinne gestellt sind. Gegen den Bombenleger im Olympiapark wird vom FBI wegen Bruchs des bundesweit geltenden Antiterrorgesetzes ermittelt. Darauf steht der Tod. Würde die Polizei von Georgia die Mordermittlungen leiten, müßte sie vor Gericht beweisen, daß der Täter "vorsätzlich" und "mit übler Absicht" Alice Hawthorne, die in der Nacht zum Samstag vergangener Woche im Centennial Park von einem Splitter der Rohrbombe getötet wurde, hatte umbringen wollen. Im amerikanischen Justizjargon hieße das angesichts der Rechtslage: Die Tat sei leider nicht "todesstrafenfähig".