Der Seefahrer Kolumbus kam von Europa, suchte Indien und landete in Amerika. Der Reggae-Musiker Bim Sherman kommt von Jamaika, sucht London und landet in Bombay.

Geographische Entdeckungen, die in die Weltgeschichte eingehen, sind fünfhundert Jahre nach Kolumbus nicht mehr zu machen. Aber auch ein Bim Sherman betritt noch Neuland, wenn er jamaikanische und indische Musik miteinander verbindet:

Reggae trifft Raga.

Seinen ersten Hit hatte der Reggae-Tenor 1974 in Jamaika mit "100 Years In Babylon", danach brachte er etliche Songs auf seinem eigenen Label heraus. Anfang der achtziger Jahre zog er nach London und arbeitet seitdem mit verschiedenen Musikern als Vokalist und Songschreiber. Als Autor findet man ihn im Booklet unter seinem bürgerlichen Namen J. Vincent.

Für das akustisch eingespielte Album "Miracle" hat Bim Sherman elf lange, ruhige, ja: romantische Songs auf eine ungewöhnliche rhythmische Basis gestellt und sich zu diesem Zweck mit dem Tablaspieler und Perkussionisten Talvin Singh zusammengetan. Dezent arrangierte akustische Gitarren und der leicht schräge Streicherklang eines Filmstudio-Orchesters aus Bombay sorgen für den harmonischen Überbau.

So überraschend diese Kombination ist, so überzeugend wirkt sie schon nach wenigen Takten. Zwar ist ihr emotionaler Kaloriengehalt etwa so hoch wie der einer siebenstöckigen Hochzeitstorte, doch die leichten indischen Rhythmen machen das Ganze bekömmlich.