Essen Hauptbahnhof, Gleis acht, Montag früh, sieben Uhr fünf. Sechs Trenchcoats warten auf den ICE nach Hamburg. Ein Telephon klingelt. Sechs Männer greifen in die Innentasche - einer sagt "Hallo".

So leben die Immer-Erreichbaren. In Restaurants, Theatern und anderen sensiblen Zonen gilt ihr monologisches Gequassel als Plage, so wie Raucher und Hunde. Dabei könnte sich ihre Lage in Windeseile entspannen. Denn in den modernen Mobiltelephonen stecken kleine Computer, und einige davon beherrschen neben der Sprachübertragung eine völlig unaufdringliche Art der Mitteilung: geschriebenen Text.

Unter dem Kürzel SMS (für: Short Message Service) wächst hier ein Medium heran, ein höchst spannendes, wie die erste Resonanz zeigt. Offen ist bloß die Frage, ob die Gebührenpolitik der Betreiber es nicht gleich wieder halb tottrampeln wird.

Für SMS ist nämlich keineswegs obszöner Aufwand nötig. Solange ein digitales Handy eingeschaltet ist, hält es ständig Kontakt mit den nächstgelegenen Funkstationen seines Netzes. Auch das Netz fragt ab und zu nach, ob das Telephon noch in Reichweite ist. Bei diesem ständigen Datenaustausch gelingt die Übermittlung von kurzen Texten wie nebenbei. Maximal 160 Zeichen hat so eine Botschaft, die ihr Eintreffen mit kurzem Fiepen bemerkbar macht und sich dann auf der Anzeige des Telephons ablesen läßt.

Als Attraktion hat das zuerst E-Plus entdeckt, das technisch raffinierteste unter den deutschen Mobilfunknetzen. Weil es später starten mußte und noch nicht die ganze Bundesrepublik abdeckt, kann es sich mit seinen 350 000 Teilnehmern nicht mit den beiden großen Konkurrenten D1 und D2 messen, die jeweils rund 1,8 Millionen Kunden für sich reklamieren.

Die Textbotschaften dienten zunächst lediglich dem Netz selbst. Damit unterrichtet es seine Kunden nach Art eines guten Sekretariats von Anrufen, die während des Aufenthaltes in einem Funkloch oder während des Mittagessens mit abgeschaltetem Gerät aufgelaufen waren. Zu zahlen ist dafür nichts, und manche Telephone lassen sich mit einiger Geduld sogar zum Komponieren eigener Texte verwenden. Die Zahlentasten tragen kleine Buchstaben, "Hallo" tippt sich damit zum Beispiel so: "4-4-2-5-5-5-Pause-5-5-5-0".