Ein knallroter Sportwagen mit dem D-Info-Schriftzug rast auf einer Rennstrecke in das T-Emblem der Telekom, das in einem riesigen Feuerball zerbirst. "Die Daten dem Volk" - so die Botschaft eines Werbespots, der während des Hockenheimer Formel-1-Rennens ausgestrahlt wurde. Über Geschmack läßt sich nicht streiten. Jedenfalls liegen die beiden Kontrahenten DeTeMedien GmbH, eine Tochter der Telekom, und TopWare, ein Softwarehaus aus Mannheim, im Clinch. Es geht denn auch nicht um Geschmacksfragen, sondern um viele Millionen im Geschäft mit Adressen und Telephonnummern.

Seit Jahren vertreibt die DeTeMedien ihr Telephonbuch auch auf CD-ROM, doch wegen des ursprünglich geforderten Ladenpreises von 1828,50 Mark blieb der Datenträger in den Regalen liegen. Unruhe kam erst auf, als das Unternehmen TopWare Mitte vergangenen Jahres ihre D-Info 1.0 zum Dumpingpreis von 49,95 Mark auf den Markt brachte.

Obwohl die Telekom-Tochter daraufhin den Preis ihrer CD auf 90 Mark senkte, machte die Konkurrenz weiter das Geschäft. Das lag einerseits am Werbeetat der Mannheimer Software-entwickler von 3,7 Millionen Mark, andererseits an der bis dato einmaligen Rufnummernidentifikation: Ein Tastendruck offenbarte in Sekundenschnelle den Telephonanschluß samt Adresse - vorausgesetzt, der Anschlußinhaber hatte nicht auf den Eintrag ins öffentliche Telephonbuch verzichtet. Der TopWare CD-Service AG, einer noch nicht börsengängigen Aktiengesellschaft mit den drei Vorstandsmitgliedern Dirk Hassinger (29), Udo Jantz (34) und Siegfried Sorg (43), bescherte das Produkt einen Verkaufserfolg von 800 000 Exemplaren.

Bei der DeTeMedien war man besonders darüber erbost, daß die Einträge der überall zugänglichen Telephonbücher kurzerhand seitenweise per Scanner eingelesen worden waren. "Schmarotzerische Leistungsübernahme" nannte dies das Landgericht Hamburg, und das Oberlandesgericht Frankfurt verbot per einstweiliger Verfügung den Vertrieb der begehrten CD. Das beeinträchtigte allerdings den Verkauf der in großen Stückzahlen bereits an den Handel ausgelieferten Scheiben nicht im geringsten.

TopWare konnte sich sogar leisten, durch Abwesenheit vor Gericht ein Versäumnisurteil in Kauf zu nehmen keine zwei Wochen später kam nämlich die D-Info, Version 2.0 auf den Markt. Dafür hatten 532 Chinesen die Telephonbücher abgetippt. Dennoch ging die DeTeMedien erneut gegen die unliebsame Konkurrenz vor und pochte auf Urheberrechte bei den Telephondaten. "Man versuchte, das amtliche Telephonbuch auf das geistige Niveau eines Gedichtbandes zu heben", kritisierte TopWare-Sprecher Carsten Borgmeier.

Schützenhilfe bekam die DeTeMedien aus dem schwäbisch-korrekten Stuttgart durch den damaligen Innenminister Frieder Birzele. Der untersagte seinerzeit Baden-Württembergs Polizeidienststellen den Einsatz der preiswerten D-Info. Statt bis zu 25 Mark für eine Telekom-Auskunft über den Wohnort eines flüchtigen Ganoven bezahlen zu müssen, lieferte D-Info beliebig viele Zugriffe. "Wegen der sehr weitgehenden Such- und Selektionsmöglichkeit auf der CD-ROM hat das Innenministerium als zuständige Aufsichtsbehörde für den Datenschutz die CD-ROM 'D-Info' für datenschutzrechtlich unzulässig erklärt", so der Wortlaut des offiziellen Verbots. Auch wenn die Polizeigewerkschaft eine Aufhebung des Verbots forderte und viele Sprecher von Polizeidirektionen der CD nachtrauern, bleibt die neue CDU/FDP-Landesregierung hart: "D-Info verstößt gegen den Datenschutz", heißt es in Stuttgart.

Derweil geht der Hickhack mit der Telekom um die Telephondaten weiter. Eine einstweilige Verfügung des Mannheimer Landgerichtes unterband zwar auch die Auslieferung der D-Info 2.0, doch mit einer Million verkaufter Scheiben hatte das Unternehmen zuvor bereits seinen Schnitt gemacht. Die nächste Runde ging dann vollends an die TopWare AG, denn ihr war es gelungen, vor dem Hamburger Landgericht ihrerseits ein Verkaufsverbot der DeTeMedien-Scheibe zu erwirken, die mittlerweile für 29,50 Mark angeboten wurde.