Ein funktionierender Sozialstaat ist die beste Stütze gerade einer postmodernen Gesellschaft. Und er nützt nicht nur den Schwachen, sondern paradoxerweise auch jenen, die ihn mit Abräumbaggern bearbeiten wollen. Man kann sogar sagen: Der Sozialstaat ist sein Geld wert.

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Tatsache ist, daß sich immer mehr Bereiche des Lebens den Bedürfnissen der Wirtschaft unterordnen. Subsidiarität aber ist mit dem Homo oeconomicus nicht zu machen. Sozialstaat und Homo oeconomicus - das geht. So kommt es, daß die deutsche Wohlfahrt gar nicht mehr veraltet erscheint, sondern ziemlich modern. Gerade Arbeitgeber und FDP sollten also Interesse daran haben, daß es eine Institution gibt, die den Wirtschaftssubjekten den Rücken freihält. Oder sie sagen, daß sich niemand mehr um die Schwachen kümmern muß.

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Man könnte auch sagen, daß der Sozialstaat einem die Möglichkeit gibt, sich zum Teil von moralischen Verpflichtungen gegenüber seinen Mitmenschen freizukaufen.

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