Man mag es nicht glauben, aber tatsächlich hat der Mann auch Feinde. Und zwar von jener Sorte, die es ernst meint, so daß er immer wieder mal unter Polizeischutz steht. Einmal trug es sich zu, daß diese Schweizer Beamten ein in Köln an den Autor aufgegebenes Paket untersuchten, das verdächtig brummte. Nach eingehender Beratung wurde beschlossen, die Sendung durch absichtliche Sprengung zu entschärfen; ein Schritt, der sich im nachhinein als milde Überreaktion darstellt. Inhalt: ein Teddybär, den Elke Heidenreich ihrem Freund Johannes Mario Simmel schickte, weil beide die Liebe zu Pu dem Bären verbindet. (Literarisch verarbeitet worden ist diese vielschichtige Episode bislang übrigens noch nicht.)

Zum Thema Simmel gehört hier und heute unter anderem eine Zahl, nämlich die 72. So alt ist Johannes Mario Simmel inzwischen, und genauso viele Millionen Exemplare seiner 28 Romane sind mittlerweile verkauft. 72 Jahre, 72 Millionen - das schafft Dankbarkeit zwischen Verlag und Verfasser, der pünktlich alle drei Jahre einen frischen Markenartikel liefert. Ein ruheloser Gutmensch. Roman Nummer 29: sein persönlichstes Werk! Kann man den Lesern mehr versprechen?

Da kommt er ja, der Bestsellerautor, und mit leicht angestrengtem Lächeln folgt ihm die beliebte Journalistin. Kameras haben gewartet, und langsam, liebevoll beinahe, verfolgen sie die beiden den Gang hinunter, bis zum Podest vor dem Plakat. "Heute bei uns zu Gast: Johannes Mario Simmel, im Gespräch mit Elke Heidenreich." Es ist Mittwoch, der 31. Juli 1996, 19.43 Uhr und 27 Sekunden, und wir erleben eine "Weltpremiere", teilt der hanseatische Buchhändler mit.

"Träum den unmöglichen Traum". Ein neuer Simmel verdient Beiwerk, kann nicht unvermittelt in Stapeln neben der Kasse auftauchen. "Der Abend ist keine Lesung", soviel war vorab klargestellt worden. Sondern? Ja, wie wäre das zu beschreiben, wenn ein populärer Mann befragt wird von einer Frau, die selbst als Autorin einen Namen hat, dazu als Brigitte-Kolumnistin eine ergebene Leserinnengemeinde um sich versammelt? Der Pressesprecher des Droemer Knaur Verlags nennt es "eine spontane Freundschaftsgeste". Als Geste also eine Weltpremiere.

Elke Heidenreich, damit das gleich mal klar ist, weiß durchaus, daß sie sich heute auf gefährliches Terrain begibt. Wegen Simmel? Nein. "Wir sind gute Freunde, ich schätze ihn." Eher schon, weil eine solche Veranstaltung mit 250 zahlenden Gästen, Presse, Fernsehen und so weiter unbestritten einem kommerziellen Zweck dient. Elke Heidenreich aber möchte auch noch als Journalistin wahrgenommen werden, nicht als willfährige PR-Agentin. Deshalb, soviel vorab, will sie nicht nur sagen, was ihr gefallen hat an dem neuen Roman, sondern auch, was ihr gar nicht gefallen hat.

Freund Simmel nickt dazu ergeben. Wahrscheinlich ist er, laut Selbstauskunft ein eher schüchterner Mann, einfach froh, da vorn nicht allein sitzen zu müssen; ebenso wahrscheinlich kennt er mehr Weltpremieren, als ihm lieb ist. Es ist der einzige öffentliche Auftritt, den ihm der Verlag abgerungen hat; ansonsten natürlich Interviewtermine, doch; die reichlich.