Kommunemitglied Eva Maria fand ein pietätvolles Ende in der Kadaververwertungsanstalt.

Die hängebäuchige Riesensau zu verwursten verbot sich aus emotionalen Gründen. Toni Turnschuh, die zottelige Promenadenmischung, starb vor zehn Jahren. Das war kurz nach einem seiner legendären Zirkusauftritte, bei denen er trotz Bitten und Betteln doch nicht durch den nichtbrennenden Reifen sprang. Piet mit der John-Lennon-Brille und dem qualmenden Joint ist schon vor Ewigkeiten gegangen, zurück nach Westdeutschland, längst verheiratet, ein Kind. Und Vera, die Powerfrau mit den schrillen Klamotten? Irgendwann heimgekehrt in den Schoß des elterlichen Familienunternehmens . . .

Aber immerhin: erstaunlich viele bekannte Gesichter rund um den riesigen Küchentisch. Manni, etwas voller geworden, aber wie eh und je in vorderster Front bei der Sambaband, Walter, der sich mit seinen 91 Jahren morgens noch immer über die taz ärgert, und, na klar, auch er ist noch da: Juppy, der unangefochtene Chef unter den Cheflosen, der Mann mit dem kreisrunden Hut, der unverwüstlichen Freundlichkeit und dem unentrinnbaren Redefluß. Und auch die frommen Mahnungen ans kollektive Gewissen hängen noch da: "Samstag 12-16 Uhr Putztag! Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür und auch daneben."

Ja, es gibt sie noch, Deutschlands größte Kommune, die Berliner "Ufa-Fabrik für Kultur, Sport und Handwerk", Relikt aus alternativen Zeiten. Kürzlich ist sie siebzehn Jahre alt geworden, ein stolzes Alter für ein labiles Lebensgefüge von fünfzig Leuten.

Ufa-Fabrik - für Berlin-Touristen ist das inzwischen eine beliebte Adresse. Gut hundert Schritte vom U-Bahnhof Ullsteinstraße weist ein Baldachin den Weg ins weitläufige Gelände. Eine grüne Insel im Häusermeer, 20 000 Quadratmeter Kleinstadtidylle in der Metropole, mit flachen Wohngebäuden, Werkstätten, Cafés und autofreien Straßen.