Teheran, 1975. Ein junger Student, Gegner des Schahregimes, sticht einen Polizisten nieder und will ihn entwaffnen. Die Aktion mißlingt, der Student geht ins Gefängnis. Nach der Revolution wird er Filmemacher.

Eines Tages, während eines Castings, kommt ein Mann auf ihn zu, der sich als der Polizist von damals zu erkennen gibt. Der Regisseur, Mohsen Makhmalbaf, schlägt ihm vor, die Szene von damals aus beider Perspektive zu rekonstruieren, mit je eigenem Drehteam und jugendlichen Darstellern. Sein Film "Ein Moment der Unschuld" erzählt die Geschichte der Dreharbeiten.

Der Polizist möchte im Film eine gute Figur machen, schließlich gehört er seit der Revolution zu den bad guys. So bringt er seinem jugendlichen Alter ego nicht nur das Salutieren bei, sondern macht ihm ein Geständnis. Damals, auf seinem Posten, hatte ihn ein Mädchen abgelenkt, in das er heimlich verliebt war und dem er am Tag des Anschlags einen Heiratsantrag machen wollte. Zwanzig Jahre später muß er schmerzlich erfahren, daß sie lediglich als Lockvogel fungierte. Die Wahrheit der Älteren irritiert die jungen Schauspieler.

Im Augenblick der Tat zögern sie, das Bild gefriert, Abspann und Ende.

Uraufgeführt wurde die iranische Parabel über Revolution, Heldentum, Liebe und Verrat vergangene Woche vor 7000 Zuschauern auf der Piazza Grande von Locarno. Ein gewagtes Spiel: Die Piazza mit dem Sternenhimmel oder wahlweise Gewitterwolken darüber, die 364 Quadratmeter große Leinwand und die hypermoderne Tonanlage sind nicht für stille Geschichten, sondern fürs Spektakel gemacht, für Action und Massenszenen, Schmachtfetzen und Kostümschinken.