An der Piazza Buenos Aires nordöstlich des historischen Zentrums von Rom hat am Sonntagmorgen nur eine einzige Bar geöffnet. Zwei alte Vespas knattern vorbei. Ein paar Katzen rekeln sich in der Sonne. Kaum ein Mensch ist auf den Straßen zu sehen.

Daß sich ganz in der Nähe ein Kleinod verbirgt, ahnt niemand, den es zufällig hierher verschlägt. Nur ein paar Schritte von der Piazza entfernt öffnet sich die Zauberwelt des "Quartiere Coppedè" mit seiner ungewöhnlichen Ansammlung von wundersamen Bauwerken. Das Viertel findet in kaum einem Führer Erwähnung, und auch sein Schöpfer ist völlig in Vergessenheit geraten. Das hat sicherlich dazu beigetragen, daß sich kaum Besucher in diesen Stadtteil verirren.

Im Jahre 1916 hatte die Baugenossenschaft Societa Anonima Cooperativa Edifizione Moderna das 31 000 Quadratmeter große Gelände erworben.

Ihr Hausarchitekt und Projektleiter für die stilistische Planung des Wohnkomplexes war Gino Coppedè. Wie in seinen früheren Arbeiten am phantastischen Castello Mackenzie in Genua und weiteren Palästen in der Toskana, der Lombardei sowie in Spanien offenbarte der gebürtige Florentiner auch hier seinen sehr persönlichen, unverwechselbaren stilo Coppedè. Viele Grundzüge seiner Architektur haben ihre Wurzeln im Liberty-Stil, dem italienischen Jugendstil. Um 1895 waren in Norditalien Häuser in dieser Manier gebaut worden, benannt nach einer englischen Firma namens Liberty. Dieses Unternehmen hatte erstmals Textilien mit Jugendstilmustern nach Italien eingeführt.

Rom aber blieb von dieser neuen Richtung kaum beeinflußt und weiter etablierten Traditionen treu.