Wenn Oberstaatsanwalt Franz Brüner einen Überblick über seine Arbeit geben will, sagt er: "Zuerst hatten wir das Elektrokartell, dann das Klärwerkskartell, das Fassadenkartell und jetzt das . . .", doch da beißt er sich lieber an seiner Pfeife fest. "Na, wenn ich das jetzt sage, dann läutet wieder den ganzen Tag das Telephon."

Er wollte wohl sagen: "Baukartell". Doch wer so etwas in diesen Tagen in München äußert, der hat sofort den zürnenden Verband der bayerischen Bauwirtschaft auf dem Halse.

Dabei geht gerade am Bau die Verfolgung der Korruption in Bayern jetzt erst richtig los. Unter anderem beginnt am 18. September in München ein großer Prozeß, das sogenannte Passavant-Verfahren, gegen Mitarbeiter der hessischen Traditionsfirma und beteiligte technische Ingenieure, die sich bundesweit im Klärwerksbau den Markt aufgeteilt haben sollen. Brüner: "Selbst wenn nichts mehr dazukäme, hätten wir Arbeit bis gut ins Jahr 2000."

In München weiß man über Korruption allseits gut Bescheid. Im dritten Stock der Linprunstraße 25 sitzt die größte Schwerpunktstaatsanwaltschaft, die es in Deutschland gibt. Unter der Leitung von Franz Brüner, der erst vor einem Jahr aus Berlin kam und dort half, die "Regierungskriminalität" der Honecker & Co zu ahnden, leisten hier acht Staatsanwälte Kärrnerarbeit.

"Das ist nicht selten eine 60-Stunden-Woche", sagt Staatsanwalt Frank Zimmer, Brüners Stellvertreter. Anfangs arbeiteten sie sich im learning by doing-Verfahren voran, jetzt sind hier insgesamt 23 Jahre Erfahrung in der Verfolgung von Wirtschaftskorruption versammelt. Die Abteilung hat schon 900 Durchsuchungen veranlaßt und dabei an die 5000 Aktenordner eingesackt.