Die Korruption reichte weit in die Politik. Im Hochtaunus-Kreis bei Frankfurt ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen 200 Amtsträger, darunter die Bürgermeister von Schmitten, Neu-Anspach, Usingen und Kriftel. "Da war es mir schon etwas mulmig, als ich die Haftbefehle beantragte. Stellen Sie sich vor, da hätte irgendwas nicht gestimmt", erinnert sich der junge Frankfurter Staatsanwalt Günter Wittig noch heute mit einer Mischung aus Stolz und Schaudern an die schön terminierte Festnahmeaktion 1991, am Buß- und Bettag.

Am meisten überrascht hat ihn damals allerdings die Reaktion der sogenannten Bevölkerung: "Da geht doch tatsächlich, wie im Falle Börs in Kriftel, ein ganzer Ort mit Trommeln, Fackeln und Fanfaren auf die Straße und schwört Stein und Bein, daß der Bürgermeister unschuldig sei, und heute sind alle Beteiligten - bis auf den Bürgermeister Börs selbst, der inzwischen gestorben ist - zu teils hohen Strafen verurteilt." Dabei hatte die Staatsanwaltschaft, eher zufällig, in der Wohnung eines Bestechers sogar ein Videoband sichergestellt, das die Ehefrau gerade veschwinden lassen wollte.

Es hält für die Nachwelt fest, wie der Krifteler Bürgermeister Hans-Werner Börs und andere Beteiligte bei bester Sektlaune in einem bayerischen Nobelrestaurant in Waging am See gerade Geschenke über den Tisch reichen und den auf Korruption gegründeten Vertrag feierlich unterzeichnen.

In aller Regel haben die Beschuldigten keinerlei Unrechtsbewußtsein, so bilanzieren die Frankfurter Staatsanwälte nach über 1500 Fällen, die sie bisher bearbeiteten. Etwa 200 davon landeten vor Gericht.

Höchststrafe: bisher 7 Jahre. Freisprüche: bislang keine.