Betrunkene und Ossis sagen die Wahrheit. Wenn der Ossi trinkt, gebiert er Sätze, noch größer und schöner als die DDR: "Ich bin jederzeit in der Lage, allerdings nicht gesundheitlich, sondern rein technisch, 200 Meter tief zu tauchen." Tief sind die Brunnen der Vergangenheit, wie die Flaschen Grauer Mönch und Blauer Würger.

Die Dokumentarfilmerin Barbara Metselaar (Jahrgang 1951) ist hinabgestiegen in ihre ostdeutsche Hippie- und Studentenjugend: Jena und Leipzig Anfang der siebziger Jahre, eine Bohème auf Zeit. Die Clique, die täglichen Feten, die nächtlichen Debatten über Revolution.

Die Musik von Jimi, Janis und Klaus Renft. Die Hymne: Led Zeppelins "Stairway to Heaven". There's a feeling I get when I look to the west . . . Die Jungs lasen Kerouac, Bakunin und Camus. "Die Weiblichkeiten wechselten", entsinnt sich weh ein schlohes Herrenhaupt. "Warum?

Na, von den Damen kam relativ wenig Widerstand. Wenn sich kein Widerstand regt, nimmt man die Sache, wie sie ist." O du Stilleben DDR!

Einer nach dem anderen spricht: Selbstverständlich wollen sie eine andere DDR - eine wirklich linke. Sie waren da die kommende Avantgarde. Sie mußten nur noch den Marsch durch die Instanzen antreten. Sie wurden Töpfer auf Rügen, Bauer in Partschefeld/Thüringen, Insektenforscher im Prenzlauer Berg, der Gelobten Gegenrepublik, die für viele freie Geister nur ein Durchgangslager war. "Wenn einer sagte: ,Du, ich hab' Ausreiseantrag gestellt`, war's für mich schon kaputt", sagt Wolfgang, der Architekt, der es als Pflicht empfand, zu bleiben und Zeuge wurde, wie das Land erstarrte und gefror.