Kapitel 1:

Wohin mit der Brent Spar?

Enttäuschend klein wirkt die Brent Spar nach den Fernsehbildern, die einem vom letzten Jahr noch im Kopf umgehen. Geradezu winzig erscheint die seit dem Greenpeace-Sieg über Shell hier verankerte Ölspeicherinsel, verglichen mit all den riesigen Schwimmkränen und Bohrplattformen in den Werften von Stavanger, die wir auf dem Weg vom Sola Heliport überflogen. Der Erfjord windet sich nordwestlich von Stavanger zwischen steilen Hügelkanten tief ins Landesinnere. Im Ende der Bucht steht, von Lachsfarmen umringt, ein schmutziggelber Stahlpilz im Wasser. Das ist sie.

Als der Hubschrauber auf dem Helideck aufsetzt, sieht man unter sich nur Wasser. Man hat das Gefühl, auf einer Nadelspitze zu landen. Unspektakulär. Anders kann man das Ding kaum beschreiben.

Enge Eisentreppen, Gitterroste, Rohrleitungen, Pumpen und hydraulische Ankerwinschen. Alles sieht so aus, wie es auf einem stillgelegten Schiff nun einmal aussieht. Nicht so sauber wie ein deutsches Wohnzimmer. Aber eigentlich überraschend wenig Rost und kaum eine Spur von Öl. Kein Problem, bis auf Deck K, zehn Meter unter der Meeresoberfläche, hinabzusteigen.

Eine "schwimmende Giftinsel", meldete Bild am 17. Mai 1995. "Die Shell AG will sie einfach im Meer versenken." Der Spiegel berichtete von Bord der zum erstenmal besetzten Ölinsel: "Aus dem Inneren riecht es nach Chemikalien. Aus Sicherheitsgründen verzichteten die mit Schutzanzügen und Spezialdetektoren ausgestatteten Öko- Streiter bisher darauf, die Betriebsanlagen der Spar zu erkunden.