Ein großzügiger Swimmingpool samt luxuriös eingerichteten Saunaräumen im Kellergeschoß eines Düsseldorfer Bürohauses. Vor der Wiedervereinigung schwammen und schwitzten hier Beschäftigte einer DDR-Firma. Der neue Mieter, die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft, bevorzugt trockene Nutzung: In dem Fitneßcenter stapeln sich die beschlagnahmten Akten des in den Verdacht der Untreue geratenen früheren Mannesmann-Chefs Werner Dieter.

In den Beweismitteln, die fast 200 Umzugskartons füllen, suchten die Ermittler über zwei Jahre lang ihren Vorwurf zu belegen, der heute 66jährige Manager habe sich bei Geschäften mit der seiner Familie gehörenden Firma Hydac im saarländischen Sulzbach bereichert.

Nun steht der mit großem Pressewirbel aufs Korn genommene Fall von "Selbstbedienung in der Chefetage" (so ein Spiegel-Titel 1994) vor einem eher stillen Ende. Gegen Zahlung von einer Million Mark in die Staatskasse darf sich der Beschuldigte vor den Häschern sicher fühlen. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft stellt das Ermittlungsverfahren ein. Und gegen Dieter wird "weiterhin die Unschuldsvermutung gelten", wie sein Verteidiger, der Saarbrücker Anwalt Professor Egon Müller, mit Genugtuung feststellt. Für die Ermittler bedeutet der Verzicht auf eine Anklageerhebung zweifellos eine schwere Niederlage, hatten sie doch bereits einen Schaden für Mannesmann in Höhe von 253 000 Mark errechnet.

Drei Tage vor dem Dieter-Deal, am Freitag vergangener Woche, hatte ein anderer Prominenter Anlaß zur Freude. Drei Wochen nachdem die für Wiedervereinigungskriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Berlin II einen (gegen 2,5 Millionen Mark Kaution außer Vollzug gesetzten) Haftbefehl gegen Thyssen-Chef Dieter Vogel erwirkt hatte, wurde dieser Schritt vom Amtsgericht Tiergarten wiederaufgehoben.

Zwar bestätigten die Richter noch einmal den "dringenden Tatverdacht", die von Vogel bis März dieses Jahres geführte Konzerntochter Thyssen Handelsunion habe bei der im Auftrag der Treuhandanstalt durchgeführten Abwicklung der DDR-Firma Metallurgiehandel GmbH 73 Millionen Mark zu Unrecht in die eigene Kasse gewirtschaftet.