Die Kriminalität in Deutschland steigt an, und dies gilt auch für die Wirtschaft - mit dieser lapidaren Feststellung beginnt Bernd Otto sein Buch, das demnächst erscheint. Der Mann, so darf der Leser annehmen, kennt sich aus. Vierzehn Jahre lang gehörte er dem Vorstand des inzwischen zerschlagenen Handelskonzerns an.

Und über zwei Jahre lang standen co op-Manager in Frankfurt vor Gericht, weil ihnen Bilanzfälschung, Prospektbetrug, persönliche Bereicherung sowie die Aneignung von Firmenvermögen vorgeworfen wurden. Der Mammutprozeß, in dem der wohl größte Fall von Wirtschaftskriminalität aufgearbeitet werden sollte, endete eher banal. Die Hauptangeklagten kamen mit überaus milden Strafen davon. Otto selbst hatte eine viereinhalbjährige Haftstrafe zu verbüßen. Die wesentlichen Fragen blieben im dunkeln.

Gibt Otto in seinem Buch nun endlich den Blick hinter die Kulissen des ehemaligen Handelskonzerns frei? Arbeitet er in seinem "Lehrstück aus der deutschen Wirtschaft" (so der Untertitel) gar ein Stück eigener Vergangenheit auf? Nichts dergleichen. Bernd Otto bleibt sich selbst treu. "Schuldgefühle", so schreibt er - über andere - in seinem Buch, "entstehen beim Menschen nur dann, wenn der Betroffene ein Bewußtsein dafür hat, unmoralisch gehandelt zu haben." Solche Gefühle kennt er nicht. Statt dessen tischt Otto, der Ende 1988 seinen Job als Vorstandschef quittieren mußte und ein Jahr später in Untersuchungshaft genommen wurde, seinen Lesern einen ganz anderen Kriminalfall auf. Und der begann erst nach seiner Zeit, inszeniert von betrügerischen Banken mit Hilfe einer überforderten Justiz, leichtfertigen Wirtschaftsprüfern und ahnungslosen Aufsichtsräten. Geholfen hat ihnen bei der "Ausschlachtung eines profitablen Unternehmens" (Otto) ein in seinen Augen ungenügendes deutsches Bilanz- und Konkursrecht.

Die Deutsche Genossenschaftsbank (DG-Bank) und die damals gewerkschaftseigene Bank für Gemeinwirtschaft waren die Drahtzieher, und ein willfähriger, instrumentalisierter Spiegel, so die Otto-Version der Geschichte, ließ schließlich die Bombe platzen. Unter dem Titel "Umgebaut und ausgehöhlt" hatte der Spiegel im Oktober 1988 über Machenschaften im co op-Konzern berichtet. Tenor: Klammheimlich hatten die Manager versucht, mit Hilfe eines unüberschaubaren Geflechts von Auslandstöchtern und Briefkastenfirmen das Unternehmen (Umsatz: zwölf Milliarden Mark) ihrem eigenen Vermögen anzueignen. Der Veröffentlichungstermin, so schreibt Otto, "hätte nicht besser gewählt" werden können, stand seine co op doch gerade in "wichtigen Konsortialgesprächen zur Finanzierung von Beteiligungserwerben". Ergebnis: "Bei der co op AG entstand eine Liquiditätskrise." - "Gerade die deutschen Banken", weiß Otto zu berichten, "neigen dazu, in kritischen Phasen . . . sich aus der Verantwortung zu stehlen." Der Rest ist bekannt.

Die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache an. Die co op wurde zerlegt.