Am 30. August 1996 hat der Berliner Professor für Rechtsgeschichte und Zivilrecht, Uwe Wesel, in der ZEIT "eine deutsch-deutsche Geschichte" erzählt unter dem Titel "Wundern über Wunden - ein Spitzelbericht über ein Gedicht: Reiner Kunze und Margarete Hannsmann".

Dazu teilt uns Reiner Kunze mit, zu den ihm 1990 schon übergebenen "12 Bänden Staatssicherheitsakten, die in Gera lagerten, sind weitere 12 Bände in Berlin gekommen. Ich habe von diesem Material bisher keinen Gebrauch gemacht und möchte auch künftig keinen Gebrauch davon machen." Nach Lektüre des Artikels "Wundern über Wunden" möchte Kunze jedoch "in diesem einen Fall meine Zurückhaltung aufgeben". Wir dokumentieren den Fall im Originaltext von Reiner Kunze.

DZ

1.In meinem Buch "Deckname ,Lyrik`" ist unter "Rostock, den 13.12.74" der Bericht eines inoffiziellen Mitarbeiters des Staatssicherheitsdienstes abgedruckt, in dem es heißt, M. H. (Margarete Hannsmann) habe "in einem . . . in der BRD veröffentlichten . . . Gedichtband zu Reiner Kunze eine Stellungnahme abgegeben, indem sie in einem Vierzeiler sehr . . . präzise formulierte, . . . daß ein Mann der DDR sich zur DDR bekennen muß und deshalb logischerweise, wenn er das nicht tut und . . . sich an den Westen verkauft, sich nicht wundern darf, wenn er von seinen eigenen Landsleuten . . .

angegriffen wird". Hier bricht Uwe Wesel das Zitat ab und schreibt: "Gemogelt. Denn es wird unterschlagen, daß diese Worte eine eigenständige Gedichtbeschreibung des (Rostocker) Kunsthallendirektors sind . . ."

Aus dem von mir zitierten Text geht aber eindeutig hervor, daß die Gedichtbeschreibung nicht von Frau Hannsmann stammt, sondern daß der Informant über das Gedicht und Frau Hannsmann berichtet, denn es heißt weiter: "M.H. wohnt in S . . . Wenn ich nicht falsch unterrichtet bin, wohnen . . . bei ihr . . ." usw. Daß der Informant Direktor der Rostocker Kunsthalle war, erfahre ich soeben erst aus dem Artikel von Herrn Wesel. Wer mogelt hier?

2.An anderer Stelle schreibt Herr Wesel, in meinem Buch "Am Sonnenhang" höre es sich so an, als sei der politischen Polizei durch Frau Hannsmann etwas bekannt geworden, was jene noch nicht wußte. Uwe Wesel: "Dabei war jedem klar, auch Reiner Kunze, daß er abgehört wird. Nichts anderes hat Margarete Hannsmann sagen wollen . . .