Das legt gleich los mit gemeingefährlichen Doppelgriffpassagen: gefährlich für den Spieler, gemein (gegebenenfalls) für des Zuhörers Ohren. Wer sich aber für Solo-Violin-Capricen interessiert, der will ohnehin nicht in wohligem Schönklang schwelgen. In dieser perfiden Miniaturgattung zählt, seit Paganinis Zeiten, der Kitzel einer circensischen Sensation: Klappt der dreifache Salto diesmal?

Unglaublich, diese Denisova! Nicht nur, daß ihr alles kraftvoll gelingt, es klingt auch glänzend, traurig, aufregend, drollig, schön: Schön! Elena Denisova, mehrfach preisgekrönter Sproß aus der harten Moskauer Violinenzucht, verfügt erstens über eine souveräne Technik. Sie hatte zweitens auch noch eine verwegene Idee für ihre erste CD im Westen. Statt sich zum Debüt eines der üblichen Violinkonzert-Paraderösser aufzuzäumen (Mendelssohn, Bruch, Tschaikowsky), gab sie 13 Capricen in Auftrag bei 13 jungen und großteils unbekannten Komponisten (TalkM 1005, Bezug über Talking Music, Von-der-Tann-Straße 38, D-93047 Regensburg, Tel. 0941/798 56-0).

Es sind Probestückchen. Der klare "Gebrauchswert" dieser Capricen zieht zwar der kompositorischen Kreativität enge Grenzen: Vor allem violinistisch, sind sie vollgestopft mit rasenden Läufen, interessanten Pizzikati - oder Springbogenpassagen und zirpenden Flageoletts. Ein grimmer Spaß jagt den nächsten. Dennoch klingt nie eines wie das andere, von der minimalistisch rappelnden Etüde bis zum ironischen Salonschnulz im ungarischen Verbunko-Stil ist alles dabei. Schade nur, daß das dünne Plattenbeiheft kein Wort übrig hat für die Stücke und die Komponisten: Man hätte doch zu gern gewußt, was es auf sich hat mit Titeln wie "Kak deeiah!"