Nicht aus der Kälte, nein, aus der Nestwärme des Vatikans kam der Spion. Wer aber ist er, und wie echt sind seine Geheimnisse?

Wenn man den Stasi-Papieren trauen kann, die jetzt durch die Berliner Gauck-Behörde zum Vorschein kamen, dann hätte der Agent wörtliche, also stenographische Protokolle von Gesprächen Papst Pauls VI.

mit westlichen Politikern - darunter Willy Brandt im Juli 1970 - dem Sowjetblock verkauft. Die Dokumente wurden der DDR aus Moskau in russischer Sprache geliefert, angeblich aus polnischer Quelle.

Schon wurde ein ehemaliger Papst-Sekretär, der heute Bischof in Polen ist, verdächtigt, obwohl er erst Mitte der siebziger Jahre im Vorzimmer des Pontifex amtierte. Dort aber saß 1970 ein italienischer Prälat, und dieser lieferte - wie jetzt ein Vergleich der Stasi-Papiere mit den Originalen ergab - niemals Stenogramme, sondern nur Inhaltsbeschreibungen von päpstlichen Privataudienzen ins Vatikan-Archiv.

Also alles Erfindung, was jetzt zum Vorschein kommt? Keineswegs.

Der ebenso kenntnisreiche wie phantasievolle und schreiblustige Hauptagent im Dienste Moskaus - und Washingtons - saß jahrzehntelang nur einen Steinwurf vom Vatikan entfernt in der Via Porta Angelica und ließ sich von früheren Kollegen mit Informationen versorgen, die er für seine "Kunden" attraktiv verarbeitete.

Er hieß Eduardo Prettner-Cippico, 1906 in Triest geboren und eigentlich nur Priester geworden, um durch eine römische Karriere seinem Schuldenberg zu entkommen. Das vatikanische Staatssekretariat erschien ihm wie "eine Sammlung von Hirnlosen", so notierte er 1933 in sein Tagebuch. Damals war er bereits Archivar in der Päpstlichen Rußland-Kommission und verkaufte von deren wichtigen Dokumenten Photos nach Moskau.