Ein Spaziergang auf der Telegraph Avenue im kalifornischen Berkeley versetzt den Besucher zurück in die sechziger Jahre: Holzschmuck, Räucherstäbchen, T-Shirts mit Che-Guevara-Konterfei. An den unzähligen Ständen fehlt kein Souvenir aus den Flower-power-Tagen. Manchmal taucht ein übergebliebener Hippie auf mit Gitarre, Haarband und Wildlederklamotten. Auch die nahe Sproul Plaza erinnert an diesem ersten Tag des neuen Semesters an alte Zeiten. Auf dem Vorplatz der Universität protestieren Studentenvertreter, weil ihr defizitärer Buchladen geschlossen werden soll. Ein etwas abgedrehter Altstudent agitiert lautstark ein jüngeres Semester: "Du glaubst, Hasch zu rauchen sei schlimm. Dein Sexismus ist doch viel schlimmer."

Auf den ersten Blick macht die Universität von Berkeley ihrem Ruf als Kapitale der Gegenkultur alle Ehre. Doch das Straßenbild hat mit der Wirklichkeit von heute nur noch wenig zu tun: Wo einst Studenten und Professoren gegen den Vietnamkrieg und für eine bessere Welt kämpften, geht es heute vor allem um Anteile auf akademischen Märkten. In den Vereinigten Staaten wurde Konkurrenz im Hochschulwesen schon immer großgeschrieben. Als Universität in öffentlicher Hand bekommt Berkeley den Wettbewerb derzeit verstärkt zu spüren: Staatsstellen streichen Mittel. Studenten werden wählerischer, Spitzenprofessoren mobiler.

Dan Mote kommt eine halbe Stunde zu spät zum Gespräch. Aber der Vizekanzler für Außenbeziehungen hat dieser Tage viel zu tun, ist er doch verantwortlich für Berkeleys neue Spendenkampagne, die Mitte September offiziell starten soll. Eine Milliarde Dollar will die Universität bis zum Ende des Jahrhunderts sammeln. Das Geld hat Berkeley bitter nötig. Denn obwohl die Kosten steigen, fließen Staatsgelder spärlicher - die kalifornische Regierung braucht die Mittel anderweitig, hauptsächlich für Gefängnisse.

Anfang der neunziger Jahre schoß sie noch die Hälfte des Budgets zu. Jetzt ist es nur noch rund ein Drittel der Milliarde, die Berkeley jährlich ausgibt.

"Die Leute geben uns das Geld dabei nicht einfach, weil wir es eben brauchen", erklärt Mote die Grundregeln des privaten fund-raising.

"Sie unterstützen uns, weil wir ihnen die Gelegenheit bieten, etwas Gutes zu tun und sich dann gut zu fühlen."

Damit sich dieses Hochgefühl einstellt, überlassen die 150 Mitarbeiter von Mote nichts dem Zufall. Ein Drittel beschäftigt sich nur damit, eine Datenbank mit Informationen etwa über die Ehemaligen der Universität auf dem neuesten Stand zu halten: Wie entwickelt sich das Unternehmen eines alumnus? Fühlt er sich einem Professor gegenüber besonders verbunden? Welche Interessen hat er während seines Studiums gezeigt?