Gruß aus Tschernobyl. Etwa alle zwei Jahre erinnern Nachrichten aus dem Sarkophag des verunglückten Reaktorblocks daran, daß dringend etwas getan werden muß - und dann wird's wieder vergessen. In der vergangenen Woche wurden stärkerer Neutronenfluß und vermehrte Gammastrahlung gemessen. Ein Hinweis darauf, daß in den Resten des geschmolzenen Kerns hot spots auftreten können, also Zonen, in denen es kurzzeitig zu Kettenreaktionen kommt. Diese Vorgänge können radioaktives Material aus dem undichten Gehäuse in die Umwelt blasen. Noch schlimmer: Das Dach könnte einstürzen und radioaktiven Staub aufwirbeln.

Und am schlimmsten: Alles das weiß jedermann seit Jahren.

Doch Westeuropa und die Ukraine verhandeln miteinander und vertagen sich und verhandeln erneut, ebenfalls seit Jahren, über die Finanzierung der Abhilfe. Unterdessen wird hier das Geld rar und dort die Bereitschaft, überhaupt irgend etwas zu tun. Es scheint, als würde die Menschheit aus Schaden nicht klug, sondern nur dümmer.