Am 26. Juni 1981 erhielten im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Schweinfurt fünf junge Männer das Reifezeugnis. Sie waren achtzehn Jahre alt und voller Zuversicht. Die Welt schien ihnen offenzustehen. Die deutsche Wirtschaft brauchte damals Akademiker und besonders mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte, wie sie das Humboldt-Gymnasium heranzog.

Acht Jahre später rutschte der deutsche Maschinen- und Anlagebau in die Krise, die 1993 ihren Höhepunkt erreichte. Die Lebenspläne der fünf gerieten durcheinander und bekamen Brüche.

Heute sind sie Mitte Dreißig, gut ausgebildet und in den besten Jahren. Ihre Generation soll die deutsche Wirtschaft in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren tragen. Vieles ist für sie nicht mehr selbstverständlich - auch der Glaube an Autoritäten oder an den Staat nicht. Sie glauben mehr an die eigene Kraft und den eigenen Ideenreichtum als an Institutionen, die einen auffangen. Sie sind nicht verbittert, doch sie sehen der Zukunft mit Skepsis entgegen und rechnen mit allem. Der ZEIT haben sie erzählt, wie sie zu ihrer Lebenssicht gekommen sind: fünf Portraits.

Walter Röhrich, selbständiger Elektrotechniker in Nürnberg

Es war 1991, als Walter Röhrich (Name v.d Red. geändert) die größte Fehlentscheidung seines Lebens traf. Aber wie bei jedem Reinfall weiß man das vorher natürlich nicht. Ja, sagt er, das sei eben das Schwierige am Leben, daß man es nur rückwärts verstehen könne, aber vorwärts leben müsse.

Die Fehlentscheidung bestand darin, daß Röhrich sich auf eigenen Wunsch von Werk A nach Werk B versetzen ließ. Er war bis dahin vielbeschäftigter Prüfmittelentwickler in der Fertigungsabteilung des Bereichs Öffentliche Netze der Philips Kommunikations Industrie (PKI) Nürnberg gewesen. Nun wurde er im gleichen Unternehmen ein Hardwareentwickler für Kennzeichenumsetzung in der Entwicklungsabteilung. Die komplizierten Bezeichnungen verdecken das Wesentliche: Erst hatte Röhrich viel zu tun, dann wenig. Am Anfang freute er sich darüber, doch bald gingen ihm Lust und Arbeit aus.