Sabine Etzold: "Sparen, kürzen, schließen", ZEIT Nr. 38

Die Landesregierung ist mit ihren Sparbeschlüssen schon weit vor dem Ziel vom eingeschlagenen (richtigen) Weg abgewichen: Zahlreiche Mehrfachangebote bestimmter Studiengänge bleiben weiterhin unangetastet, trotz zurückliegender mehrfacher Anmahnungen zum Beispiel des Wissenschaftsrates. Künftiger Absolventenbedarf und Studiennachfrage haben offenbar nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Damit investiert das Land auf lange Sicht weiterhin in Studiengänge und Fachbereiche, die erkennbar am Bedarf vorbei ausbilden. Die drei Fachhochschulen des Landes sind durch die Sparbeschlüsse überproportional betroffen: Gegenüber dem bisherigen Planungsstand haben sie nahezu zwanzig Prozent der Studienplatzkapazität eingebüßt. Darüber hinaus deutet sich eine besorgniserregende Entwicklung an: Die Planungsabsichten des Landes für die nächsten fünfzehn Jahre lassen jegliche Perspektive für die Ausweitung des Fächerspektrums an den Fachhochschulen vermissen. Damit werden frühere Erklärungen der Landesregierung in wichtigen Teilen konterkariert.

Auch durch die beabsichtigte zeitliche Streckung der Investitionen gerät der Ausbau der Fachhochschulen als stets erklärtes Ziel der Landesregierung ganz erheblich ins Stocken. Dies ist um so bedauerlicher, als die für die Fachhochschulen vorgesehenen Investitionen gerade einmal dreizehn Prozent des Investitionsvolumens der Hochschulen insgesamt ausmachen. Unverständlich ist diese Maßnahme vor dem Hintergrund, daß sich 35 Prozent der Studienanfänger in Mecklenburg-Vorpommern an den Fachhochschulen eingeschrieben haben. Für Studiengänge, die im Lande sowohl an Universitäten wie an Fachhochschulen angeboten werden (Wirtschafts-, Sozial- und Ingenieurwissenschaften), lag der Anteil der Studienanfänger sogar bei sechzig Prozent.

Prof. Dr. Hans-Joachim Memmler

(Rektor der Fachhochschule),

Neubrandenburg