Jörg Blech: "Sagenhaft", ZEIT Nr. 38

Wie lange und wie oft noch sollen wir eigentlich auf die dümmlichen Vergleiche zwischen dem Service eines Krankenhauses und eines Luxushotels hereinfallen? Ein durchschnittliches Krankenhaus berechnet für alle Kosten 350 Mark, die Verpflegung pro Tag macht allemal nur etwa acht Mark aus. Es mag bezweifelt werden, daß in dem Dresdner Luxushotel hierfür ein Frühstücksbuffet und zwei warme Mahlzeiten bereitgestellt werden. Schwestern und Ärzte kommen natürlich zu zusätzlichen Kosten für die Krankenkasse in das Hotel, um dort Visite zu machen! Es wäre interessant zu erfahren, bei welchem Tagessatz des Vier-Sterne-Hotels die Krankenkasse in drei Tagen 1000 Mark spart. Die eigentliche Rechnung bezahlen wir alle, wenn sich die stationären Behandlungskosten nur noch auf die teuren ersten Tage derjenigen Patienten beziehen, die sich für die Praxis ambulant tätiger Ärzte nicht lohnen und dann wie in den Vereinigten Staaten in die Gegend von 1000 Dollar steigen werden.

Prof. Dr. W. Becker, Wetter

Es ist dem Autor sicherlich bekannt, welchen Bruchteil des Krankenhaustagessatzes die sogenannten "Hotelleistungen" heutzutage ausmachen sie liegen drastisch unter den Unterbringungskosten eines Vier-Sterne-Hotels mit Park und Elbblick. In Zeiten sogenannter Kostendämpfung mit zum einen nicht nur fester Budgetierung eines Krankenhauses, sondern Einfrieren beziehungsweise Kürzen derselben bei steigenden Lohn- und Gehaltskosten sowie steigenden Nebenkosten (in unserem Haus vermutlich minus drei Prozent [!] für 1997), zum anderen aber zunehmendem Leistungsbedarf unter anderem durch die demographische Entwicklung unserer Bevölkerung geraten die Krankenhäuser langsam an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Folge ist ein zunehmender Sparzwang. Dieser kann nur zum einen durch Kürzungen im medizinischen, zum anderen durch Kürzungen im "Hotel"-Bereich aufgefangen werden.

Wie aus ärztlicher Sicht versucht wird, dieses aufzufangen, brauche ich nicht zu erwähnen.

Ich halte es für unverantwortlich, nun auf diesem Hintergrund die Unterbringung von Patienten nach "ambulanten" Operationen in Hotels zu propagieren. Wie sieht denn die dortige "Versorgung" aus? Welche pflegerische Betreuung ist vorhanden? Wie sieht die technische Versorgung aus? Wer fängt wie eventuelle Komplikationen auf? Ich unterstütze den Wunsch nach Verbesserung der Serviceleistungen im Krankenhaus gerade auch im Bereich der "Hotelleistung". In Zeiten starrer Budgets ist diesem aber nur entweder durch Aufbrechen des Budgetkorsetts, durch Minderung der Leistungszahlen oder durch Erhöhung des Budgets nachzukommen.

Dr. Jörg Könemann (Arzt für Innere