Wie ein arabisches Orchester setzt der Synthesizer auf suspense, für wenige Sekunden nur. Doch dann kommt alles anders. Die Melodie ist Jazz, der Rhythmus Drum 'n' Bass, die Stimme sanfter HipHop und der passende Liedtitel: "Let it flow". Die Musik tänzelt an den Ohren vorbei, so lange, bis alles mitschwingt. Warum funktioniert das so gut? Da treffen doch Welten aufeinander.

Helmut Hattler ist ein Ex-Krautrocker, in den Siebzigern war er das Markenzeichen der Band Kraan. Die meisten Fehler, die beim Experimentieren passieren können, hat er schon hinter sich, und Joo Kraus, vierzehn Jahre jünger und von Hause aus studierter Trompeter, will sie von vornherein vermeiden. Tab Two nennen sie sich im Duo, und ihr fünftes Album heißt Belle Affaire: So anspruchs- und lustvoll kann deutscher Acid Jazz sein! (Virgin, Bestell-Nr.: 7243 8 41980, Tel.: 089/ 3 81 95-0)

Ohne Anstrengung finden zurückgelehnte Jazzschnulzen zu Dance-grooves, Nouvelle-vague-Stimmungen zu Jungle-Rhythmen. Kraus trifft auf der Trompete genau diesen langgezogenen, tristen Ton, den das Instrument einmal Ende der fünfziger Jahre hatte, sein leicht näselnder Gesang tummelt sich trotz geringen Stimmumfangs im Vordergrund und wird eher wie ein zusätzliches Rhythmusinstrument eingesetzt.

Doch damit nicht genug. Auch die Samples sitzen an der richtigen Stelle, ja, sogar der Drumcomputer rattert nicht nur stur seine Vierviertel herunter. Kluge, komplizierte Kompositionen, aber leicht zu hören, gut zu tanzen: Damit sind Tab Two den meisten aktuellen Produktionen einen Riesenschritt voraus.