Wirklich toll, was die Kino-Pfadfinder der Jungen Union gerade herausgefunden haben: daß der durchschnittliche amerikanische Industriefilm (hier: Jon Turteltaubs "Phenomenon") unter seiner Schmalzhülle immer auch ein bißchen Ideologie transportiert. Pfundige Überraschung das! Erkenntnisschub! Jetzt aber gleich in die Videothek und "Pretty Woman" plus "Bodyguard" plus "König der Löwen" geholt, zwecks Erprobung der neuen Scientology-Schnüffelautomatik! Doch zuvor die Preisfrage: Wieviel Ideologie enthält ein ganz normaler Robert-Altman-Film (hier: "Kansas City")? Unter uns: gar keine.

Er enthält nur Jazz. Aber davon reichlich. Da sind Lester Young und Coleman Hawkins und Charlie Parker und viele andere, sie spielen mit- und gegeneinander im "Hey Hey Club", und gedoubelt werden sie von den besten Jazzern der neunziger Jahre: James Carter, Joshua Redman, Don Byron, Jesse Davis. Erstklassiger Soundtrack!

Leider muß der Film dazu auch eine Geschichte erzählen. Das Jahr ist 1934: Depression, Korruption, Al Capone. Klassen- und Rassenhaß.

Zu jedem Stichwort hat Altman die passende Figur: eine reiche (Miranda Richardson) und eine arme Frau (Jennifer Jason Leigh beide auf unserem Bild), einen kleinen weißen (Dermot Mulroney) und einen großen schwarzen Gangster (Harry Belafonte). Und viele, viele Nebenrollen. Auch die historischen Farben stimmen: Nußbraun, Dunkelgelb, Sepia, Lackschwarz, alles edelste Konfektion. Trotzdem läuft, anders als in "Nashville" oder "Short Cuts", nichts zusammen.

Warum nicht? Weil alles nur stimmt und nie ganz wahr ist. Die alte Ausstatterfalle: siehe "Ragtime", siehe "Cotton Club". Hübsch harmlos, aber schön anzuschauen. Und noch schöner anzuhören. Dabei garantiert ideologiefrei! Kinoschnüffler, Ohren auf: Hier kommt der Film zur Musik.