Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als Finanzminister Theo Waigel zum Freund und Helfer zu haben. Obwohl der CSU-Politiker wirklich jede Mark dreimal umdrehen muß, läßt er sich deutschen Golfern gegenüber nicht lumpen. In einem erst jetzt bei den Etatberatungen bekanntgewordenen Erlaß des Finanzministers gewährte Waigel diesen Sportlern ein besonderes Privileg. Damit sie auch weiter im Dienst der Allgemeinheit einlochen können, wurden die Kriterien der Gemeinnützigkeit gelockert. Golfclubs dürfen nicht nur wie schon bisher eine Aufnahmegebühr (pro Mitglied höchstens 3000 Mark) und einen Jahresbeitrag (höchstens 2000 Mark) abkassieren, sondern nun auch noch eine zusätzliche Investitionsumlage bis zu 10 000 Mark je Mitglied einfordern.

Die für Spenden und Spendenquittungen wichtige Gemeinnützigkeit wird davon nicht tangiert.

Im Finanzausschuß des Bundestages begründete Finanzstaatssekretär Hansgeorg Hauser die neue Vergünstigung mit den hohen Kosten für Golfclubs. Und weil die Vereine zum Erhalt der Gemeinnützigkeit bisher allerlei Umgehungstricks angewendet haben, die nach Auffassung des Bundesrechnungshofes (BRH) eigentlich zu einer Versagung der Gemeinnützigkeit hätten führen müssen, hatten die Frankfurter Prüfer den Finanzminister gebeten, in Abstimmung mit den Ländern ein einheitliches Verfahren zu erlassen. Das hat Waigel nun mit den neuen Kriterien der Gemeinnützigkeit zur "Förderung der Allgemeinheit" getan. Den Parlamentariern gegenüber beteuerte Hauser, der neue Erlaß entspreche weitgehend den Vorstellungen des Rechnungshofes.

Das war dem in der Sitzung des Ausschusses anwesenden BRH-Vertreter, Ministerialrat Jörg Bublitz, dann doch zu bunt. Er widersprach Hausers Darstellung nicht nur ausdrücklich, sondern teilte den Abgeordeneten weiter mit, der BRH befürchte, andere Sportvereine könnten die neue Regelung als "Musterbeispiel" ebenfalls beantragen.

Bublitz laut Sitzungsprotokoll: "Das insgesamt erzielte Ergebnis tut dem Bundesrechnungshof weh."

Weh tat's - wie könnte es anders sein - auch einem Sozialdemokraten.

Der Abgeordnete Dieter Grasedieck (SPD) fand, die Bundesregierung habe bei dem "ohne Skrupel auf die Belange der Golf-Vereine zugeschneiderten Erlaß" nicht nur die Bedenken des Rechnungshofes "achtlos in den Wind geschlagen", sondern auch noch die Kriterien der Gemeinnützigkeit "auf den Kopf gestellt". Angesichts der geplanten Verschiebung der Kindergelderhöhung gelte bei der Regierung offenbar das Motto: "Ein Herz für Golfer - statt für Kinder."