Dies ist die Geschichte eines Martyriums. Eine Frau, sie heißt Bess, stirbt für Jan, ihren Mann, der bei der Arbeit auf einer Bohrinsel lebensgefährlich verletzt wird. Sie betet zu Gott, und Gott sagt, sie könne ihn retten, wenn sie aus Liebe das größte Opfer bringe. Sie glaubt, wenn sie maßlos leide, dann stehe der Gelähmte auf und gehe als Gesunder nach Hause. Sie glaubt an ein Wunder, und das Wunder geschieht. Was für ein Schmarren!

Dies ist ein Film von Lars von Trier. Sein Format: Cinemascope.

Seine Technik: Handkamera. Das heißt: Es gibt keine Einstellungen, sondern nur Blicke. Blicke flackern, bis sie etwas ins Auge fassen, und in den gleichen Taumel gerät die Handkamera von Robby Müller (der vor allem für Wim Wenders gearbeitet hat). Mal wird der Blick unscharf, schweift ab und verliert sich. Oder er wird aufmerksam, nähert sich mit unruhiger Neugier einer Geste, einer Bewegung, kreist ein Gesicht ein, verharrt. Auch die abrupte Montage folgt der Logik der sprunghaften Wahrnehmung: jeder Schnitt ein Lidschlag.

Es gibt auch keine Distanz. Der Flaum auf Bess' Schläfen, jede Regung, jede Seelenpein, jedes Zucken und jede Verzückung - all dem kommt man unverschämt nah. Dank der flexiblen Kamera und der Großzügigkeit des Formats wird die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt: Bess' Anblick nimmt gefangen, ohne daß sie eine Gefangene dieser Wahrnehmung würde. Gewöhnlich setzt das Sehen einen Abstand voraus.

Hier wird es zum Akt der Berührung und erzeugt eine nervöse Nähe und eine Sucht, die wie beim Liebesakt jede Scheu überwindet.

Und weil diese Bilder einem irrsinnigen Drang folgen, verführen sie selbst wie ein Droge. Unmerklich überwältigen sie den Zuschauer mit ihrem Verlangen, ihrer Besessenheit, ihrem Wahn. Was für ein Film!

"Breaking the Waves" ist ein Ding der Unmöglichkeit: die Legende von einer Heiligen, die sich aus Gottesfurcht zur Hure macht - und Leonard Cohen singt "Suzanne" dazu. Das Melodram über den Glaubenskampf einer jungen, naiven Frau beerbt mit seinen Close-ups und der zerzausten schottischen Küstenlandschaft die Visionen Carl Theodor Dreyers und das Frauenkino Ingmar Bergmans. Aber es kommt nicht artifiziell veredelt, sondern als Reportage daher.