Es riecht noch. Es kommt von unten, von der Spüle. Ein Geruch nach Tierschweiß, nach heißem Fell und kralligen Pfoten. Karütt, Karütt. Die Rattenkönigin.

Begonnen hat alles vor einer Woche an einem sonnigen Morgen. Ich hab' die Balkontür offen, plaudere gerade am Telephon, sehe auf grüne Tomaten, da schießt ein grauer Pfeil an mir vorbei. Selbständig, zielgerichtet in die Küche. Obwohl ich mich für mein "iih" schäme, kann ich nicht anders, schreie, rette mich auf den Küchenstuhl, um die Angelegenheit von oben zu betrachten.

Die Rättin hat sich verschanzt. Irgendwo da unter den Küchenschränken, zwischen den Krümeln. An der Wand hängt meine heile Welt. Ein Teller. Hübsch rosa, mit artigen Mäusen drauf, die gerade Hochzeit feiern. Brambly Hedge heißt das Geschirr, läuft in England gut.

Ich hab's aus Canterbury mitgebracht. In Socken und Unterhemden gewickelt, damit nichts kaputtgeht. Dann, eine Woche später, bei mir direkt um die Ecke gesehen. Auf Zuckerdosen, Postern, Blöcken.

Verlobung, Geburtstag, Trallala - alles mit Mäusen.

Aber hier. Ratte in meiner Küche? Nix da.

Die ersten Hilfeanrufe bei Freunden scheitern. "Du mußt sie mit dem Besen raustreiben." (Die Rättin lacht.) "Lock sie mit einer Freßspur wieder nach draußen." (Die Rättin knabbert sich bis zur Balkontür, fegt zurück.) "Dann bleibt nur die Falle." Ich verbarrikadiere die Küchentür. Kriegszustand in meiner Wohnung. Graue Armeen haben die Küche in Besitz genommen. Es geht auf Abend zu. Wie schlafen mit der Rättin in der Wohnung? Ich hör' sie hüpfen, scharren.