Kamera ab! Karin Stanglmeier hält den großen Moment auf Video fest: Helm neu, Schützer neu, Schuhe neu, Gatte Fredi ist komplett ausgerüstet. Zum ersten Mal steht der 36jährige auf Inline-Skates.

Die beiden Kinder Rebecca und Christopher haben es längst drauf, seine Frau Karin auch, heute ist der Vater an der Reihe. Stramm richtet er sich auf, zieht noch das T-Shirt über die etwas weichen Hüften, Fäuste geballt, ein letztes Lächeln in die Kamera und: los!

Zwei kurze Schritte nur, da beginnen die gepolsterten Arme zu rudern. In seinen schnittigen Radlerhosen wirkt Stanglmeier wie ein Indurain auf Schmierseife. Behutsam tastet er sich weiter, den Blick starr nach vorne. Aber er übersteht die erste Runde im abgetauten Eisstadion von München-Perlach ohne Sturz. Eine Stunde später sitzt der Pionier schwitzend auf einer Holzbank, streift sich die dunkelbraunen Lederboots ab und strahlt: "A Riesengaudi is des!"

Sechzehnhundert Mark hat sich Stanglmeier den neuen Spaß für die ganze Familie kosten lassen, schließlich wollte er "koa Glump, sondern was Gscheit's".

Das haben sie nun, und weil die Stanglmeiers beileibe nicht die einzigen Inline-Neulinge sind, hat auch der jahrelang darbende Sporthandel jetzt "was Gscheit's": satte Gewinne. Denn, kalter Sommer hin, Sparpaket her, die Republik will rollen. Vier Kunststoffräder pro Schuh tragen über drei Millionen Deutsche durch die Gegend.

Die einen gleiten zwecks Ertüchtigung durch sonnige Wochenenden, andere kommen auf acht Rollen ins Büro, weil die Dinger viel wendiger sind als Fahrräder und auch nicht so leicht geklaut werden können.

Wieder andere, zumeist die Jungen, schreddern Treppengeländer runter und springen über Mistkübel.