Die Debatte schien kein Ende zu nehmen. Mehr als zehn Jahre beriet der Europarat über eine Konvention zur Bioethik, ehe sich die Parlamentarische Versammlung vergangene Woche in Straßburg auf einen Entwurf einigen konnte. Damit ist das Papier so gut wie unterschriftsreif. Noch in diesem Herbst dürfte es von der Mehrheit der 39 Mitgliedsstaaten abgesegnet werden.

Daß damit erstmals europaweit der Umgang mit den Fortschritten der Medizin geregelt wird, ist zu begrüßen. In vielen Ländern, vor allem in Osteuropa, fehlen bisher jegliche ethische und rechtliche Maßgaben. Freilich schreibt das Papier nur Mindeststandards vor.

Selbst wenn die deutsche Regierung es unterzeichnete, blieben bei uns weiterhin die strengeren Bestimmungen des Embryonenschutzgesetzes gültig.

Trotzdem aber stößt das Regelwerk hierzulande auf wenig Gegenliebe.

So gingen allein beim Deutschen Bundestag rund 50 000 Protestunterschriften ein. Auch die meisten der 18 deutschen Volksvertreter stimmten - quer durch alle Parteien - in Straßburg gegen den Entwurf einer "Menschenrechtskonvention zur Bioethik". Bereits vor zwei Jahren hatten die Deutschen gegen den damaligen Text protestiert und immerhin einige Änderungen erreicht. So wurden jene Artikel völlig neu formuliert, die die Forschung an sogenannten nicht einwilligungsfähigen Personen regeln. Eingriffe an Kranken, Kindern oder Behinderten dürfen künftig nur unter vielfältigen Auflagen vorgenommen werden: also nur, wenn keine Alternativmethoden zur Verfügung stehen, der gesetzliche Vertreter seine Zustimmung gibt, die Risiken und Belastungen minimal sind und derselbe Eingriff nicht an einwilligungsfähigen Personen vorgenommen werden kann.

Doch auch die verbesserte Fassung ließ noch immer viele Fragen offen. Die Parlamentarische Versammlung verknüpfte denn auch ihr positives Votum mit etlichen Änderungswünschen, die freilich mitunter recht nebulös formuliert sind. Zum Beispiel solle die Forschung an Embryonen nur "im Interesse ihrer Entwicklung" erlaubt sein.

Aber auch bei der "Diagnose schwerster Leiden" sei sie erlaubt.