ZEIT: Herr Minister, halten Sie es für richtig, wenn sich in der Europäischen Union mit ihrem gemeinsamen Markt die einzelnen Staaten wechselseitig die besonders potenten Steuerzahler abspenstig machen?

Klima: Wir bekennen uns grundsätzlich zu einem Steuerwettbewerb.

Aber in einigen Sektoren, zum Beispiel bei den Verbrauchsteuern und auch bei den Kapitalertragsteuern, sollten wir zu einer systematischen Harmonisierung kommen.

ZEIT: Steuerflucht ist für Sie kein Thema?

Klima: Es gibt ein Problem, dem wir uns zu widmen haben: wenn Manager von großen Industriekonzernen selbstverständlich unsere hervorragende Infrastruktur wie die sauberen Straßen, die funktionierende Abfallentsorgung, die Abwasserentsorgung, das hohe Schulniveau, das hohe Kulturniveau in Anspruch nehmen, aber gleichzeitig dem System die Finanzierungsbasis entziehen, indem sie die Investitionen in Billiglohnländer und zusätzlich den Steuersitz des Konzerns auf die Cayman Islands oder sonstige Ste ueroasen verlagern.

ZEIT: Auch Österreich gilt in Deutschland zumindest teilweise als Steueroase.

Klima: Es geht sicher nicht um ein Abwerben. Österreich hat mit der Steuerreform 1993 einen Schritt getan, den andere europäische Länder schon vollzogen hatten: ein attraktives Steuersystem sowohl für Unternehmen als auch für selbständige und unselbständige Erwerbstätige zu schaffen. Für Unternehmen gilt ein Körperschaftsteuersatz von 34 Prozent, bei Wegfall der Vermögen- und der Gewerbeertragsteuer.