Schwarze Löcher gibt es eigentlich nur im Weltraum. Doch immer mehr französische Steuerzahler vermuten, daß es auch eins auf Erden gibt: die staatseigene Großbank Crédit Lyonnais. Erst vergangene Woche stellte Finanzminister Jean Arthuis dem angeschlagenen Geldhaus wieder 3,9 Milliarden Franc (1,15 Milliarden Mark) als Überlebenshilfe bereit. Dabei hat die Regierung bereits in den beiden Vorjahren im Rahmen zweier Rettungspläne gut 16 Milliarden Mark in die Pleitebank gepumpt. Kein Zweifel: Der Fall Crédit Lyonnais ist schon heute die teuerste Unternehmensrettung in der Europäischen Union (EU).

Doch damit nicht genug. Die endgültige Sanierung könnte selbst nach vorsichtigen Schätzungen noch weitere rund 13 Milliarden Mark verschlingen, und damit jeden französischen Steuerzahler rund 2000 Mark kosten.

Schuld an dem Milliardendebakel ist der halsbrecherische Expansionskurs des früheren Lyonnais-Chefs Jean-Yves Haberer Ende der achtziger Jahre. Der Finanzabenteurer übernahm innerhalb von vier Jahren dreizehn Kreditinstitute, darunter die deutsche BfG-Bank. Aus dem verschlafenen Pariser Geldhaus wurde so Frankreichs Bilanzsummen- und Europas Zweigstellenchampion. Doch da Risikomanagement unter Haberer offenbar ein unbekanntes Fremdwort war, standen schon bald faule Kredite in Milliardenhöhe in den Büchern. Bereits 1993 wurde klar, daß ein Konkurs des 1863 gegründeten Traditionshauses drohte und damit die größte Bankenpleite in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Um die Hilfsaktion möglichst geräuschlos über die Bühne gehen zu lassen, entwickelten die Pariser Ministerialbeamten einen hochkomplizierten Plan, der den Eindruck erwecken sollte, das notleidende Institut könnte sich selbst aus dem Sumpf ziehen. Durch die Ausgliederung der Risiken in eine Abwicklungsbank, so die Idee, sollte der Pleitier nach einer Kapitalspritze seine Sanierung selbst bezahlen können. Nur - der Plan ging nicht auf und lediglich die Finanzspritze der vergangenen Woche konnte den erneuten Rutsch in die roten Zahlen vorerst abwenden.

Nun wird an einem dritten Rettungsplan geba-stelt - dem letzten, wie man im Finanzministerium betont. Weitere zehn bis zwanzig Milliarden Franc Staatsstütze, eine endgültige Trennung von vergangenen Bankrisiken sowie eine rasche Privatisierung stehen zur Debatte.

Gegen neue Beihilfen regt sich allerdings zunehmend Widerstand bei der Konkurrenz. Bislang hat zwar nur die Großbank Société Générale vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Beihilfen geklagt. Doch Wettbewerbsverzerrungen und Überangebot machen den französischen Bankenmarkt chronisch unrentabel. Vom Verschwinden des Crédit Lyonnais würde die ganze Branche profitieren.

Und einem weiteren Sanierungsplan will EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert nur zustimmen, wenn die Staatsbank deutlich größere Gegenleistungen bringt als bisher. Das Finanzinstitut müßte demnach viel mehr als die Hälfte seiner Auslandsbeteiligungen abstoßen und sogar seine Präsenz in Frankreich verkleinern.