Was wäre der Verleger ohne den Autor? Ein Nichts, ein Niemand, der nichts anzubieten hätte außer schwarzen Lettern und weißem Papier! Was der Autor ohne den Verleger? Ein ungelesener, unbekannter Jemand, der seine an die Menschheit adressierten Jahrhundert-, wenn nicht Jahrtausendwerke für die Schublade sekretiert!

Und so sieht der Autor im Verleger, mit dessen Hilfe er seinem Werk zu öffentlichem Leben, sich selber zu Beifall und Ruhm, manchmal unerhörterweise auch zu Geld verhelfen will, bestenfalls ein notwendiges Übel, den lästigen Mittler, den merkanto-, nicht bibliophilen Kaufmann, den Banausen, den Ignoranten, den unphilosophischen Menschen par excellence, der aus seinem vollendeten Werk eine Mißgeburt machen und ihn schändlicherweise noch um seine nur zu berechtigten Ansprüche betrügen will. Hie Geist, da Geld - welche heillose Disproportion!

Das sagt sich auch der Verleger, nur in umgekehrter Reihenfolge und nicht ohne eine Prise Ironie, was den Geist betrifft. Er, der sein gutes, nachweislich zirkulationsfähiges Geld in möglicherweise weniger gute und alles andere als absatzsichere Bücher investiert, wird nicht zögern, den Autor als Risikofaktor ersten Ranges, wenn nicht gleich als Konkurshelfer zu identifizieren.

Im Briefwechsel zwischen Arthur Schopenhauer und Friedrich Arnold Brockhaus explodiert diese ergiebige Mischung, "daß es kracht".

Da wird nicht lange gezaudert und gezögert, wie man es von des Gedankens Blässe, von des honorigen Kaufmanns Bedächtigkeit eigentlich erwarten dürfte. Da wird jede sich ergebende Konfliktchance vielmehr auf dem kürzesten Wege auf die Spitze getrieben: Der Briefwechsel ist der lebendigste zwischen einem Philosophen und einem Verleger, den die Geistesgeschichte kennt. Und das bei einem Philosophen, der die Verneinung des blinden Lebenswillens, die "sälige Ruhe des Nichts", die "Meeresstille des Gemüths" auf sein Panier geschrieben hat, bei einem Verleger, der enzyklopädische Umsicht geradezu als Programm vertritt.

Der Konflikt der Charaktere aber gilt einer Sache, eben der Herstellung eines Buches. Welche Ansprüche bis ins unscheinbarste Detail daran zu stellen sind, das läßt sich in buchvergessenen Zeiten noch einmal aus diesem Briefwechsel erfahren. Wenn schon die Welt nichts Rechtes bietet, dann muß wenigstens das Buch etwas Gutes sein: das Buch als Wille und Vorstellung.

II.