Versichern beim Discounter ist in. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein neuer Telephonversicherer seine Dienste anpreist.

"Rufen Sie uns an", lockt etwa Tellit Direct in TV-Spots zur besten Fernsehzeit mit Schnäppchenpolicen fürs Auto. Oder: "Warten Sie nicht - es geht um Ihr Geld", wirbt ein smarter Sprecher für die Policen von Axa Direkt. Viele Verbraucher greifen da gerne zu.

Das Kalkül: Assekuranzen, die den teuren Vertreter einsparen, können die gleiche Leistung bedeutend billiger anbieten.

Doch das stimmt so nicht. Direktversicherer wirtschaften - zumindest in den ersten Jahren - nicht so kostengünstig wie die Konkurrenz mit Außendienst. Ein Grund ist der höhere Werbeaufwand. Zudem muß der Kunde mit dem Policenkauf per Telephon einige Nachteile in Kauf nehmen: Erst im Ernstfall zeigt sich, was Service und persönliche Betreuung wirklich wert sind. Und keineswegs alle Kunden machen da gute Erfahrungen.

Eines steht jedenfalls fest: Nicht nur die Produktpalette, auch die Vertriebskanäle der Versicherer verändern sich rasant. Wurden Direktanbieter, die ihre Verträge ohne Zwischenschaltung des Vermittlers abschließen, noch vor einigen Jahren als billiger Jakob belächelt, setzen heute immer mehr Vertriebschefs auf den Telephonverkauf.

Rund zwanzig Direktanbieter werben inzwischen per Anzeige, Fernsehspot, Videotext oder gar im Internet um neue Kundschaft. Zunehmend drängen auch alteingesessene Assekuranzen wie Colonia, Gothaer, HDI, DBV, Provinzial Düsseldorf, Rheinland oder Zürich über konzerneigene Ableger ins Direktgeschäft der traditionsreiche Keksbäcker Bahlsen aus Hannover vertreibt seine Waren ja auch schon seit Jahren als Zweitmarke bei Aldi. Und auch Anbieter aus dem Ausland wie die US-Firmen AIG und Allstate, die französische Axa oder Sun Alliance aus Großbritannien versuchen auf diesem Weg, erste Anteile auf dem deutschen Markt zu gewinnen.

Immer mehr Verbrauchern sei der Vertreter auf dem Sofa lästig, argumentiert Bernd Michaels, Chef der Provinzial Düsseldorf. Und Klaus Jacoby, Vorstandsvorsitzender der Cosmos in Saarbrücken, zieht daraus den Schluß: "Wir sprechen kritische Menschen an, die gut verdienen und selbst wissen, was sie wollen."