PARIS. - Israel hat den großen Fehler begangen, zu meinen, seine entscheidenden Sicherheitserfordernisse seien erfüllt, wenn es nur Washington und die amerikanische öffentliche Meinung auf seiner Seite hätte. Von den Vereinigten Staaten wurde erwartet, sie würden Israel beistehen, wenn das Land je in eine Gefahr geraten sollte, mit der es alleine nicht fertig werden könnte.

An dieser Fehleinschätzung tragen die Arbeiterpartei wie der Likud Schuld. Zwar hatten Schimon Peres und Jitzhak Rabin von der Arbeiterpartei die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern begonnen. Aber auch sie betrieben diesen "Friedensprozeß" mit Weile, nicht mit Eile. Die Gespräche über die palästinensische Autonomie wurden im Schneckentempo geführt, als garantiere allein schon der Prozeß den Frieden, nur weil er Washington zufriedenstellte.

Die Überzeugung, Amerikas Unterstützung reiche als Garantie für die Sicherheit Israels aus, war so lange gerechtfertigt, wie Israel einer äußeren Gefahr ausgesetzt war. Heute sind es jedoch vornehmlich innere Gefahren, die das Land bedrohen.

Sie drohen von den Palästinensern in Ost-Jerusalem (das Israel gerade dem eigenen Staatsgebiet zugeschlagen hat) und denen, die in Gaza und der West Bank unter israelischer Besatzung lebten oder noch leben. Eine weitere innere Gefahr geht von den rechtsradikalen Gruppen aus, die sich auf ein Groß-Israel verschworen haben.

Aus ihren Reihen kam der Mörder, dem Premierminister Rabin zum Opfer fiel. Gegen die inneren Gefährdungen Israels können die Vereinigten Staaten nichts ausrichten. Dies hat Washington Premierminister Netanjahu und seinen Anhängern deutlich zu machen versucht, indem es sie drängte, die Verhandlungen mit Jassir Arafat wiederaufzunehmen, die Verpflichtungen der Vorgängerregierung zum Truppenabzug aus Hebron einzuhalten und weiterhin das Prinzip "Frieden gegen Land" zu akzeptieren. Dieses Prinzip hat Netanjahu ausdrücklich zurückgewiesen.

Er bietet statt dessen "Frieden für Frieden" an. Für viele Israelis ist dies ein eingängiges Schlagwort. Aber politisch bedeutet es, daß Israel an den von ihm noch besetzten Gebieten festhält, während Palästinenser (und Syrer) ihren Anspruch auf diese Gebiete aufgeben und die Ausweitung jüdischer Siedlungen in Jerusalem, auf der West Bank und dem Golan hinnehmen.

Als am vergangenen Mittwoch die Kämpfe zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Demonstranten und Polizisten ausbrachen, saß Netanjahu in Paris beim Abendessen mit Likud-Anhängern und kündigte an, er käme in achtzehn Monaten wieder und würde dann erreicht haben, was er versprochen hatte: "Frieden in Sicherheit für Israel". Am Tag darauf mußte er seine Europareise in Deutschland abbrechen und in sein Land zurückkehren, das sich in einer aufstandsähnlichen Lage befand.