Die Büsche sind verdorrt, die Bohnen reif. In diesen Tagen beginnen die amerikanischen Farmer mit der Sojaernte. Rund 62 Millionen Tonnen der kleinen braunen Kugeln werden 1996 in die Silos rasseln.

Ein schlechtes Jahr, sagen die Farmer, zuviel Regen. Und doch decken sie mit ihrer Ernte die Hälfte des weltweiten Sojabedarfs.

Die ersten Lieferungen aus den Vereinigten Staaten werden Anfang November in Europa oder Asien eintreffen. Im Schnitt wird jede fünfzigste der Bohnen gentechnisch verändert sein, und die Welt wird sich nicht wehren können. Die Amerikaner weigern sich beharrlich, die Gen-Tech-Soja zu trennen.

"Friß oder stirb", kommentiert Jörg Naumann von Greenpeace diese Überrumpelungstaktik. Heimlich, still und leise werde sich so die Massenernährung mit Gen-Soja-Produkten durchsetzen. Roh ist die erbsenförmige Soja nicht zu genießen, doch die unterschiedlichen Bestandteile der bearbeiteten Bohne sind heute in etwa 30 000 Lebensmitteln enthalten: Mayonnaise, Babynahrung, Keksen, Suppen, Wurst, Speiseöl, Tofuburgern . . . Wer nicht ausschließlich im Bioladen einkauft, wird es in Zukunft kaum schaffen, sich gentechnikfrei zu ernähren. "Die Verbraucher werden faktisch entmündigt", klagt Greenpeace und ruft seit Anfang September zum Widerstand auf.

Die Umweltschützer laufen offene Türen ein. Noch sitzt der BSE-Schock tief, die Konsumenten sind skeptisch. Bislang gibt es zwar keine Belege dafür, daß Produkte aus gentechnisch veränderter Soja gefährlich sind. Öl und Lecithin aus den neuen Sojabohnen sind von Öl und Lecithin aus herkömmlichen Bohnen auch im Labor nicht zu unterscheiden.

Und im Sojaschrot, der vor allem in Tierfutter, aber auch in Fertiggerichte gemischt wird, sind zwar Rückstände des neuen Gens enthalten, doch bei der Röstung des Schrots werden sie inaktiviert, so die Wissenschaftler.

Trotzdem bleiben viele Verbraucher reserviert. Bei der jüngsten Befragung, die das Emnid Institut für Marktforschung im September im Auftrag von Greenpeace Deutschland erstellte, gaben 73 Prozent der Konsumenten an, sie würden Lebensmittel mit Gen-Tech-Soja möglichst meiden oder ganz darauf verzichten. Zudem behaupteten 87 Prozent der deutschen Verbraucher, sie würden die Waren von Firmen boykottieren, die undeklariert Gen-Tech-Soja verwenden.