Die Arbeit gleich sehen, das hat man mir eingebleut. Zupacken und mithelfen, überall. Sich nicht unbeliebt machen, schnell arbeiten, das zählt. Das wird bezahlt. Noch ist es ruhig - in diesem großen, blank geputzten Hotelbetrieb im österreichischen Pongau. Mein Zimmer liegt im Altbautrakt. Ein Tisch, Waschbecken, Kleiderstange, roh gezimmertes Regal. Zwei Betten. Die Chefin hat nicht erwähnt, daß ich mein Quartier teilen muß. Ursula, meine Zimmergefährtin, ist Stubenmädchen.

Das Personal ißt in der Küche. Fünfzehn Leute um einen viel zu kleinen Tisch gereiht, Ellbogen an Ellbogen. Ein Koch, Servierkräfte, der Küchenchef, auch sie sitzen hier zum ersten Mal. Morgen beginnt die Saison.

Ich bin eingeteilt. Aufgeteilt zwischen Kinderbetreuung (oben bei den Buben der Chefin) und Waschküche, Haushalt und Bügelkammer.

Am Abend im Service mithelfen - wie ausgemacht. Wie ausgemacht?

Seit wann muß ich servieren? Jetzt nicht aufmucken. So tun, als ob man einfach vergeßlich wäre. Dumm stellen, zum Selbstschutz.

In diesem Hotelbetrieb bin ich eine gewöhnliche Arbeitskraft, weder denkfähig noch verantwortungsbewußt. Und ich bin jederzeit kündbar. Fristlos.

Aufpassen soll ich, daß Peter ja sein Frühstück aufißt. Muß ich die Gouvernante mimen? Fein säuberlich liegt die Semmel in eine Serviette gerollt, darüber kreuzen sich Buttermesser und Löffel.