Der 35jährige Chalim D. hat für eine international arbeitende Menschenhändlerbande Ausweispapiere besorgt. Wie er dazu kam?

Mehr wegen eines "dummen Zufalls" als durch "kriminelle Absichten", behauptet der Angeklagte, der sich vor dem Hamburger Amtsgericht wegen Beamtenbestechung verantworten muß. Dabei sei vor allem dieser Regierungsoberinspektor namens F. schuld daran, fügt D.

hinzu.

Dieser Beamte war es, der 1993 D.s Einbürgerung zu bearbeiten hatte. Weil ihn Schulden drückten, rundete F. die geltenden Gebühren stets nach oben auf: Den ahnungslosen Afghanen D. kostete der deutsche Paß nach den Tarifen seines Sachbearbeiters über 3000 Mark, das Sechsfache des offiziellen Gebührensatzes. D. fragte nicht lange, freute sich, deutscher Staatsbürger werden zu dürfen, und zahlte die Summe bar auf den Tisch. Er erinnert sich genau: "Ich habe eine Quittung mit Stempel bekommen. Der Mann ist Beamter.

Alles war korrekt."

Zwei Jahre später sollten auch Frau und Kinder eingebürgert werden.

Bei einem Besuch in der Ausländerbehörde fragte F. den eingebürgerten Afghanen, ob er Interesse an einer vom ihm vermittelten Lebensversicherung habe. D. lehnte ab. Was F. nicht entmutigte. Beim nächsten Termin in der Behörde wurde D. umstandslos gefragt, ob er dem Staatsdiener nicht 3000 Mark "leihen" könne. Doch auch diesen persönlichen Kredit wollte D. nicht gewähren. Irritiert ("So etwas kannte ich aus Deutschland nicht"), zog er nun Erkundigungen über jenen Mann ein, der über das Schicksal seiner Familie entschied. Es kostete ihn nicht viel Mühe herauszufinden, daß sich beim Oberinspektor F. mit "viel Geld auch viel bewegen" ließ. D.s Befürchtung: "Nur wenn ich ihm die 3000 Mark gebe, wird sich in der Sache mit meiner Frau etwas tun."