Bonn

Zumindest bei jungen Menschen wären die Sozialdemokraten gerne wieder die "Nummer eins". Dieses ehrgeizige Ziel haben sie neulich abermals verpaßt. Nur 21 Prozent der Erstwähler, so ergab eine Analyse in Hannover, votierten im September bei der niedersächsischen Kommunalwahl für die SPD das reichte nur fürden dritten Platz hinter der CDU (37 Prozent) und den Grünen (27 Prozent).

Das Ergebnis bestätigt einen Trend. Schon bei den Landtagswahlen im März entschieden sich viele Jungwähler lieber für Schwarz oder Grün. Über die Hälfte der unter 35jährigen ging erst gar nicht an die Urne. Die alte Arbeiterpartei kann kaum noch junge Wähler oder gar Mitglieder für sich begeistern. Was macht die SPD so langweilig?

Generell hat die Parteiverdrossenheit der Jungen vor allem einen Grund: Junge Menschen erfahren schon früh die Ohnmacht der Politik, die tatsächlich engen Spielräume wie die vermeintlichen Sachzwänge, die Reformen blockieren. Große Lösungen werden von keiner Partei mehr erwartet.

Aber die SPD hat sich auch ihre eigenen Probleme im Umgang mit der Jugend geschaffen. Wofür die Sozialdemokratie steht, ist unklar.

Die Volkspartei bleibt in der Defensive. Oft erscheint sie nur als soziale Variante der CDU. Doch je mehr die SPD an Profil als Reformpartei verliert, desto mehr wird sie an Boden bei den jungen Menschen einbüßen.

Seit Oskar Lafontaine den Parteivorsitz innehat, erscheint die Partei weniger zerstritten als vorher. Doch führen ist mehr als zusammenführen. Zu streiten, für und um die Erstwähler, gäbe es genug, an Themen für eine jugendpolitische Initiative der SPD herrscht kein Mangel. Über eine Million junge Leute sind obdachlos, arbeitslos oder leben von Sozialhilfe. Andere "parken" in "Warteschleifen" und nutzen kurzfristige Jobs. Wie ermöglicht man Jugendlichen Arbeit und eine Lebensperspektive? Diese geradezu klassische Frage diskutiert die SPD nicht. Lähmt sie vielleicht die Befürchtung, daß eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung nur wenig ändern könnte?