Zwei Ereignisse hielten die Welt 1789 in Atem. Erstens: die Französische Revolution. Zweitens: Die Verleihung der Stadtrechte an Hammerfest.

Als geographische Ikone hat es der norwegische Flecken seitdem zu größerer Bekanntheit gebracht als manche chinesische Millionenstadt.

Denn hier, vom 70. Breitengrad aus, blickt die nördlichste Stadt der Erde auf den Rest der Welt herab.

Lautmalerisch signalisiert schon der Name Hammerfest, daß auf der Insel Kvalöy ein zivilisatorisches Machtwort an die widerspenstige Natur gesprochen wurde. An Versuchen, das exponierte Städtchen wieder von der Landkarte zu tilgen, hat es nicht gefehlt: 1809 griff die britische Kriegsmarine an, 1944 ließen die Nazis nur die Friedhofskapelle stehen.

Die abgehärteten Hammerfester haben sich davon nicht beeindrucken lassen und ihre bunten Häuser rund um die Hafenbucht immer wieder aufgebaut, obwohl ihr Standort nun wirklich kein Platz an der Sonne ist. Wenn die Polarnacht Hammerfest vom 21. November bis 23. Januar einhüllt, wird die Stadt alljährlich zu einem Paradies für lichtscheue Elemente.

Als touristisches Lockmittel dient das Prädikat "nördlichste Stadt der Welt" natürlich nur im Sommer, dann aber richtig: Vierzig Millionen norwegische Kronen spülen Kreuzfahrer und nordlüsterne Wohnmobilisten jährlich in die Kassen dieses populären Außenpostens.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, schon gar nicht, seitdem die Standortdebatte auch im Tourismus härter wird. Es geht um die Kunst, aus einem verschneiten Ende der Erde so etwas wie den Nabel der Welt zu machen. Kein Wunder also, daß sich inzwischen auch andere Siedlungen ins Gespräch bringen, weil sie in puncto Nördlichkeit mehr zu bieten haben als Hammerfest. Geklärt werden müßte allerdings, ob es sich bei diesen Niederlassungen um Städte oder Dörfer handelt.