Solche Lebensläufe sind rar geworden: Ein Adliger, noch vor der Jahrhundertwende in Dresden zur Welt gekommen, findet im roten Sachsen zur Arbeiterklasse. Während seines Studiums schreibt er gelegentlich für die liberal-konservative Frankfurter Zeitung.

Mitte der zwanziger Jahre wird er aus der SPD ausgeschlossen, seine Mitgliedschaft im Internationalen Sozialistischen Kampfbund ist mit einem sozialdemokratischen Parteibuch nicht mehr vereinbar.

Er leitet zu dieser Zeit das Wirtschaftsressort des Funken - einer von rund 140 Zeitungen, die damals in Berlin erscheinen. Das Blatt wird gleich nach Hitlers Machtübernahme verboten, gegen ihn selbst ein Haftbefehl erlassen. Er taucht mit einem Decknamen unter, kümmert sich bis 1937 um ein Netz illegaler Gewerkschaftsgruppen, flieht schließlich nach England. Dort arbeitet er in der Deutschland-Redaktion der BBC, organisiert unter anderem Thomas Manns Londoner Radiorede an die deutschen Hörer und schreibt selbst mehrere Bücher wider den Nazi-Ungeist.

Bereits im Mai 1945 kehrt er zurück. Er hilft beim Wiederaufbau der SPD und zählt zu den Vätern des Grundgesetzes, das er für seine Partei in der Parlamentarischen Kommission mitberät. Er wird nacheinander Landtagsabgeordneter, Staatssekretär und einer der ersten Intendanten einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt.

Jahre später wird ihm eine Honorarprofessur für Publizistik angetragen, nachdem er bereits während seiner Intendantenjahre der Hörerforschung erste Impulse geben konnte.

"Die Demokratie braucht unbequeme Journalisten" - das war nicht nur sein Leitspruch, er hat auch danach gelebt. Über einen seiner Vorfahren schrieb Ricarda Huch etwas, was gleichermaßen auf ihn selbst zutraf: Er sei immer zugegen gewesen, "wo etwas Revolutionäres im Schwange war". So ist es wohl kein Zufall, daß er auch 1968 in Berlin zur Stelle war, als die Studenten rebellierten, und daß er schließlich zu den "zornigen alten Männern" gezählt wurde, die die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik publizistisch und politisch mitgeprägt haben.

Auch in hohem Alter exponierte er sich noch: Im Juli 1981 - kurz vor seinem Tod - zog er gemeinsam mit dem Theologen Helmut Gollwitzer in Berlin-Kreuzberg symbolisch in ein besetztes Haus ein, um "friedlichen Widerstand" zu leisten.