IAA, Halle 13. Wie verkauft man einen Lastwagen? Man putzt und wienert ihn und macht ein paar Strahler an. Man läßt Kinder auf dem Fahrersitz rumhopsen und den Fuhrparkinhaber bei Kaffee und Keksen seinen Bestellschein ausfüllen. Allenfalls darf noch ein Clown rumzappeln oder eine mexikanische Folkloretruppe krähen.

Ein Lastwagen ist ein Nutzfahrzeug, und wer damit zu tun hat, interessiert sich für Einspritzdruck und Wartungsintervalle, nicht aber für Gedöns und Killefit.

Das galt 100 Jahre Lastwagen und 55mal IAA Nutzfahrzeuge lang.

Letzte Woche ging die 56. Internationale Automobilausstellung (Nutzfahrzeuge) in Hannover zu Ende. MAN, Scania, Iveco, Volvo: Alle hatten brav ihre Autos nebeneinandergestellt. Und sahen plötzlich ganz alt aus. Denn einer stahl ihnen die Schau, und das war Mercedes-Benz.

Ausgerechnet! Die Mimose, wenn es ums Image geht, die darüber hinaus mit den Nutzfahrzeugen schwer in den Miesen ist, setzte voll und ganz - auf Gedöns und Killefit. Die Besucher der Halle 13 staunten nicht schlecht: Das war keine Messehalle mehr. Die Stuttgarter hatten eine "Erlebnislandschaft" aus dem Boden gestampft.

Aus Holz, Stahl und gigantischen Sisalbahnen hatte man eine 17 000 Quadratmeter große Gebirgslandschaft modelliert, mit Brücken und verschachtelten Zwischenetagen, abgeschiedenen Cafés und Ausgabestellen für Traubenzucker. Jeder Besucher bekam in die eine Hand einen Apfel, in die andere ein Heft namens "Wegweiser". Damit er nicht verlorenging. Denn wer in Halle 13 die Toilette suchte, fand sich in einem Sektempfang für englische Mercedes-Händler wieder. Wer die Verkaufsstelle für originalgetreue Actros-Modelle ansteuerte, landete bei der Einwickelstelle für Poster und Prospekte. Und wer raus wollte, geriet in eine phantastische Multimediashow.

Junge Menschen im Bühnennebel sangen mitreißend und unvergeßlich das Lied vom "Transporter nach Maß!"