Auch Schwedenreisende können nicht darauf verzichten, bei gelegentlichen Verstimmungen des Magens oder des Gemüts die Hilfe eines alkoholischen Getränks in Anspruch zu nehmen.

Doch ausgerechnet im Lande des Dichters Carl Michael Bellman, dessen Trinklieder zu den schönsten der Weltliteratur zählen, ist es gar nicht so einfach, sich der Unterstützung eines alkoholischen Nothelfers zu versichern - gleich ob dem Hilfesuchenden der Sinn nach Wein, Wodka, einem Magenbitter oder gar Champagner steht.

Nicht einmal Normalbier (starköl, so um die fünf Prozent) darf in den Lebensmittelgeschäften verkauft werden, sondern lediglich mellanöl (3,3 Prozent) und lättöl (2,1 Prozent), welches sich nur zur Nierenspülung eignet und erst ab einer Trinkmenge von etwa drei Litern seine schwach berauschende Wirkung entfaltet.

Nach zwei Tagen Dauerregen im südschwedischen Skåne begebe ich mich auf die Suche nach einer Flasche Rotwein, die ich im Geschäft nicht kaufen kann - und im südhaft teuren Restaurant nicht kaufen will.

Ich irre durch unseren Ferienort und mache schließlich vor einem großen Schaufenster halt, hinter dem an die zwanzig Weinflaschen den durstigen Betrachter anfunkeln.

Über dem Eingang leuchtet in Neonschrift ein rätselhaftes Wort: Systembolaget. Diese - sagen wir einmal voreilig - "Weinhandlung" ist besser gesichert als eine Bank: durch eine Alarmanlage, massive Fenstergitter und zwei hintereinander angeordnete Türen.

Ich trete ein und stehe zwei mürrischen Herren gegenüber, die Weinverkäufer sind, aber wie Drogisten oder Apotheker aussehen.