Für die nächsten Stunden liegt unsere Zukunft auf dem Wasser.

Wir haben es ernsthaft versucht, aber es ist praktisch nicht möglich, die Küste Neuenglands abzuklappern, ohne irgendwann in die Schleppnetze der riesigen Touristenfangflotte Nordamerikas zu geraten. Nun sind wir der Fang und dazu bestimmt, die ehemalige Beute in freier Wasserbahn zu beäugen. Wale werden zwar nicht mehr direkt gejagt, dafür arbeitet man nun symbiotisch eng mit ihnen zusammen.

Stehvermögen, Reaktionsschnelligkeit und ein kleines Bündel Dollar sind die Voraussetzungen für einen unvergeßlichen whale watching-Trip.

Mehr erwarten die Kapitäne der ortsansässigen Reedereien gar nicht.

Dafür versprechen sie einem den Blauwal direkt vor den Bug ihrer schunkelnden Kutter. Und wir als versierte Bewohner der befahrbaren Welt wissen die friedliche Begegnung zwischen Mensch und Wal längst zu schätzen. Es muß schließlich einen tieferen Sinn gehabt haben, sich von Frau Susemihl und ihren Merkheftchen jahrelang über die herrlich quietschenden Gesänge der Buckelwale unterrichten zu lassen.

Die Mittagszeit ist vorüber, im Hafen von Gloucester macht die Privateer allmählich fette Beute. Nur noch schnell die letzten Speisereste geschluckt, den Photoapparat entsichert, und gackernd geht's an Bord. Sprossende Familien und reifere Herrschaften gehen an Bord, ferner ein Schock alter Damen aus Pennsylvania. Auf eindrucksvolle Weise verkörpern sie das amerikanische Überernährungsproblem und stehen für den bedingungslosen Einsatz von Haarfestigern.

Die Gruppenuniform - weiße Plastikwindjacken mit der Aufschrift "Pennsylvania Doves" - schweißt sie ebenso zusammen wie die Physiognomie: Sie sehen alle aus wie von Gary Larson gezeichnet. Endlich verläßt der Kahn den Hafen und tuckert hinaus in die sanft schwappende Brühe der Massachusetts Bay. Von fern blinkt Bostons Skyline.