GELSENKIRCHEN. - Den traurigen Höhepunkt der Führung hat sich Wolf-Dietrich Gürtler, der Leiter des Ruhr-Zoos, für den Schluß aufgehoben: das Affenhaus. Doch was heißt Haus? Miniaturkäfige sind es, in denen sich die Tiere kaum umdrehen können. Die zwei Dutzend Besucher, die der Einladung der Grünen vergangenen Freitag gefolgt sind, schauen betreten drein. Zuvor schon hat Gürtler ihnen das baufällige Elefantenhaus mit den beiden Hospitalismus-geschädigten Elefantenkühen gezeigt sowie die viel zu enge Anlage für die gleichfalls mit dem Kopf hin- und herwackelnden Bären.

Bei mehreren "Begehungen" in jüngster Zeit hat der zuständige Veterinär des Regierungspräsidiums Münster katastrophale Zustände konstatiert: beschädigte und somit gefährliche Gitter im Giraffenhaus gesundheitsgefährdende Schimmelbildung im Elefantenhaus ein Großkatzenhaus, das gegen das Tierschutzgesetz verstößt: Die Löwen und Tiger können sich "weder in der Länge noch in der Breite" voll ausstrecken.

Den Luchsen und Waschbären im kleinen Raubtierhaus droht gar Lebensgefahr, weil tragende Teile des Geheges "vollständig durchgerostet" sind.

Einige Seelöwenbabys starben bereits - der Rand des Wasserbeckens war zu steil, sie schafften es nicht, an Land zu kommen, und ertranken.

"Erst nachdem das Weibchen eine Technik entwickelt hatte, die vorbeischwimmenden Jungen ,aufzufischen`, kam es zu keinen Verlusten mehr", heißt es im Bericht des Veterinärs. Inzwischen wurde der Beckenrand abgeflacht.

Zu lange habe die Stadt Gelsenkirchen "das Gut Ruhr-Zoo vernachlässigt", kritisiert ein Vertreter des Vereins der Freunde des Ruhr-Zoos auf der anschließenden Podiumsdiskussion in den "Zooterrassen".

Rund die Hälfte der Zuhörer sind Zoobedienstete, die um ihre Arbeitsplätze fürchten. Denn inzwischen geht es nicht mehr nur darum, wie der Zoo am besten zu sanieren sei, sondern ob er überhaupt überlebt.